Die Politik verspricht, klimafreundliche und sichere Städte zu schaffen. Doch die gibt es nur, wenn weniger Autos unterwegs sind, schreiben Manuel Frondel und Leonard Goebel vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Mit einer Gebühr für die Einfahrt in die Innenstädte könne man das erreichen.

Es gab eine Zeit, in der die Kosten des Autofahrens ziemlich klar zu beziffern waren. Sie bestanden in erster Linie aus dem Kaufpreis und den laufenden Kosten – also Steuern, Versicherung, Tankrechnungen. All diese Posten fielen nur beim Fahrer oder der Besitzerin des Wagens an. Diese Zeiten sind vorbei. Die Kosten des Autofahrens für die Gesellschaft, die natürlich immer schon da waren, sind plötzlich ins Bewusstsein gedrungen: Dafür haben Klimadebatte, Dieselkrise und der ständig zunehmende Verkehr in den Städten gesorgt.

Die Politik reagiert bisher mit Einzelmaßnahmen: Wegen der Schadstoffemissionen von Dieselautos haben einzelne Städte Fahrverbote verhängt. Durch das Klimapaket der Bundesregierung sollen auch die Elektromobilität und das Bahnfahren gefördert werden. Und der Bundesverkehrsminister plant mit seiner Reform der Straßenverkehrsordnung, die Straßen "sicherer, klimafreundlicher und gerechter" zu machen, indem er Bußgelder erhöht, Verkehrsregeln anpasst sowie den Radverkehr und den Öffentlichen Nahverkehr fördert.

Doch all diese Maßnahmen werden das Grundproblem des zunehmenden Verkehrs in den Städten und den damit verbundenen Folgen für Umwelt und Gesellschaft nicht lösen. Denn an der Dominanz des Autos wird sich kaum etwas ändern.

Ein komplettes Autoverbot ist nicht nötig

Das an sich begrüßenswerte Ziel, dem Radverkehr mehr Raum zu geben, könnte die Staus in den Städten sogar erst einmal verstärken, weil sich mehr Autos auf kleinerem Raum begegnen. Das würde nicht nur zu mehr Abgasen und höheren Kosten führen – laut dem Verkehrsdatenanbieter INRIX entstehen durch Stau in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von rund 80 Milliarden Euro –, sondern auch zu neuen Konflikten unter den Verkehrsteilnehmern. Um den Verkehr – wie vom Verkehrsminister geplant – tatsächlich auf gerechte Weise neu zu gestalten, müsste der Autoverkehr wirksam eingeschränkt werden.

Schon jetzt zeichnet sich in manchen Großstädten eine Mehrheit gegen das Auto ab: So zeigen bislang unveröffentlichte Befragungsergebnisse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), dass knapp 55 Prozent der Befragten in München der Forderung nach autofreien Innenstädten eher zustimmen würden, nur 31 Prozent der Befragten lehnen das eher ab.

Ein komplettes Verbot von Autos in Städten wäre aber gar nicht nötig, um den Verkehr auf kluge Weise zu begrenzen. Städte wie London, Stockholm oder Göteborg machen vor, wie es stattdessen gehen könnte: mit einer Städtemaut. Auch wenn der Begriff durch die umstrittene und vom Europäischen Gerichtshof untersagte Ausländermaut in Verruf geraten sein mag, kann eine solche Abgabe bei richtiger Anwendung sehr sinnvoll sein.

In Stockholm etwa, wo − zunächst für eine Probezeit von sieben Monaten − seit dem Jahr 2006 für die Einfahrt in die Innenstadt eine uhrzeitabhängige Maut erhoben wird, ging der Autoverkehr in den ersten sechs Jahren um rund 20 Prozent zurück. Die Maut wird dort montags bis freitags von 6:30 Uhr bis 18:29 Uhr erhoben. In den Stoßzeiten morgens und am späten Nachmittag sind umgerechnet rund 3,30 Euro zu zahlen, zu den übrigen Zeiten weniger. Die Maut wird in beiden Richtungen fällig, das heißt: Eine Fahrt in die Stadt und zurück kostet zu Stoßzeiten etwa 6,60 Euro, zusätzlich zu den sonstigen Fahrtkosten. Zur Abrechnung wird das Fahrzeugkennzeichen beim Passieren einer Kontrollstation im Innenstadtbereich fotografiert, die Mautgebühren werden dem Fahrzeughalter am Ende des Folgemonats in Rechnung gestellt.