Wenn alles nach Plan geht, wird der Golf 8 sich selbst überflüssig machen. Denn mit dem Traditionsauto von Volkswagen, dessen achte Auflage am Dienstagabend in Wolfsburg vorgestellt wurde, will der Konzern die Investitionen in sein neues Elektroauto ID.3 finanzieren. Es klingt paradox, aber es ist offensichtlich: Wenn der Golf wie bisher das meistverkaufte Auto in Deutschland und der Europäischen Union bleibt, wird er damit seine hausinterne Konkurrenz voranbringen. Ein Ziel, das der neue Kompaktwagen mit elektrifizierten Antrieben, Digitalisierung und Konnektivität tatsächlich erreichen könnte.

Während der Golf 8 für die Vergangenheit steht, steht der ID.3 für die Zukunft. Es wird aber auch fünf Hybridvarianten des neuen Golf geben. Volkswagen bietet ab dem Marktstart im Dezember vier Ottomotoren an, von denen drei als sogenannte Mildhybride (81, 96 und 110 kW Leistung) ausgelegt sind und das Kürzel "eTSI" tragen. Sie gewinnen beim Verzögern oder Bremsen elektrische Energie, die in einer Batterie mit der Kapazität von zwei Pedelec-Akkus gespeichert und beim Wiederanfahren verwendet wird. Das spart vor allem im Stadtverkehr Superbenzin und senkt die CO2-Emissionen. Im Gegensatz zu den Hybridmodellen von Toyota kann der Golf allerdings nicht ohne Verbrennungsmotor beschleunigen.

Staatliche Förderung für Golf eHybrid

Dass es auch zwei Dieselmotoren ("TDI") mit aufwendiger doppelter Abgasreinigung gibt, ist vor allem für Vielfahrer interessant. Mindestens ebenso relevant sind die beiden Plug-in-Hybride mit dem neuen Label "eHybrid": Plug-in-Hybridfahrzeuge haben eine große Batterie, die am Stromnetz aufgeladen wird. Im Falle des Golf kann eine Strecke von 60 Kilometern elektrisch zurückgelegt werden, bevor der Vierzylinder-Verbrennungsmotor mit 1,4 Litern Hubraum anspringt. Die Systemleistung beträgt 150 kW in der Basisversion und 180 kW im stärkeren Modell ("GTE").

Die Golf-eHybride sind wichtig, weil Volkswagen damit mehrere Probleme löst: Zum einen bekommen Plug-in-Hybrid-Pkw ein E-Kennzeichen, falls die CO2-Emissionen unter 50 Gramm pro Kilometer liegen. Das ist bei den Golf-eHybrid so. Mit diesem E-Kennzeichen genießen all jene Fahrer einen Steuernachlass, die ein Firmenauto auch privat nutzen dürfen: Der geldwerte Vorteil muss nicht mit einem, sondern nur mit einem halben Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat versteuert werden. Für Dienstwagenberechtigte ist das äußerst attraktiv und für Selbstständige auch – der Golf liegt bei den gewerblichen Neuzulassungen seit Jahren an der Spitze.

Zusätzlich kommen Käuferinnen von Plug-in-Hybridfahrzeugen in den Genuss eines von Staat und Autoherstellern bezahlten "Umweltbonus" in Höhe von 3.000 Euro. Die Unternehmen in der Branche sind sehr motiviert, solche Antriebe zu verkaufen, denn dadurch sinken die CO2-Flottenemissionen und damit die Gefahr von EU-Strafzahlungen.