Der Clou an MDS: Es schickt nicht nur Daten von Rollern und Rädern an die Städte. Es ermöglicht auch den umgekehrten Weg: die Chance, unliebsamen Effekten etwas entgegenzusetzen. "Man könnte Verkehr viel dynamischer steuern. Zum Beispiel indem man sagt, Samstag ist ein HSV-Spiel, darum dürfen ab 15 Uhr keine Scooter mehr in diesem oder jenem Bereich abgestellt werden", erklärt Gunnar Froh.

In Los Angeles ist das schon so: Egal ob falsch geparkter Roller oder anstehende Straßensperrung, die Stadt macht den Anbietern direkte Ansagen. Auch Hamburg will künftig stärker über sein Programm in den Scooter-Betrieb eingreifen. "Über die bestehenden Schnittstellen sollen den Anbietern Parkverbotszonen übermittelt werden. Diese können dann bei bevorstehenden Veranstaltungen wie Märkten und Festen dynamisch angepasst werden", heißt es vonseiten der Stadt.

Uber will Daten nicht herausgeben

Am Vorbild Los Angeles zeigt sich aber auch, dass Anbieter nicht immer an Kooperation interessiert sind. In Kalifornien ist dank der Daten ein Streit entstanden, dessen Ausgang richtungsweisend sein dürfte: Uber verweigert seit geraumer Zeit Los Angeles den geforderten Zugriff, die Stadt setzte bereits ein Ultimatum. Nun klagt Uber gegen L.A. und stellt vorerst weiter Räder und Tretroller im Stadtgebiet auf. Die Begründung des Mobilitätskonzerns: rechtliche Bedenken, ausgerechnet beim Datenschutz.

Ein Konflikt, der in Deutschland zumindest schon keimt. In der Antwort des Hamburger Senats auf eine Kleine Anfrage der Linken hieß es zuletzt: "Aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken einiger Anbieter stellen derzeit nicht alle Anbieter detaillierte Informationen zur Verfügung." Die Stadt Hamburg teilte ZEIT ONLINE mit, dass lediglich Circ, Lime und Voi Daten übermitteln. Dagegen erhält die Stadt von Bird und Tier keinen Überblick über die Nutzung – obwohl alle im Sommer die freiwillige Vereinbarung unterschrieben hatten. Noch ist es in Hamburg ein weiter Weg bis zu einem Konflikt wie in L.A., die Stadt selbst beschwichtigt. Man gehe davon aus, dass beide Anbieter schon bald Daten übermitteln werden.

Nicht nur in Hamburg, auch deutschlandweit ist offen, wohin sich die Beziehung zwischen den Städten und jungen Mobilitätsanbietern entwickelt. Gunnar Froh ist überzeugt, dass die Auswahl in jeder Stadt zunehmend zu einer Frage des politischen Willens werden wird. Unsere Vorstellung des ÖPNV werde sich verändern, glaubt er. "Wir gehen davon aus, dass die Städte nicht nur Transparenz haben wollen", sagt Gunnar Froh. "Die Städte wollen mittelfristig selber zum Anbieter werden." Denkbar sei das vor allem über Ausschreibungen, die für städtische Shuttle-Services, Kickscooter, Fahr- und Lastenräder sorgen könnten, meint Froh.

Die Kommunen als neues, noch größeres Geschäft für Unternehmen wie Wunder Mobility? Die Städte gar als direkte Konkurrenten von Voi, Lime, Tier, Uber & Co.?

Das Hamburger Modell verbreitet sich

Die Stadt Hamburg verneint auf Nachfrage, eigene Angebote der Mikromobilität zu planen. Auch Verkehrsplaner Horn bezweifelt, dass deutsche Städte groß in den Anbietermarkt einsteigen werden: "Die Kommunen haben momentan beim Thema Mobilität und Verkehr schlicht andere Sorgen." Höchstens in Einzelfällen hält er E-Scooter als Teil eines Angebots "aus einer Hand" von Seiten kommunaler Verkehrsunternehmen für denkbar.

Der Grund für die Zurückhaltung: Vorerst fehlen weiterhin umfassende Belege und Rezepte, ob und wie die elektrischen Roller auf Dauer umweltfreundlich sein können und vor allem für weniger Autos in den Innenstädten sorgen. Erst wenn hier Klarheit herrscht, könnte sich auch der politische Wille ändern.

Doch bereits jetzt planen andere Städte, das Hamburger Modell zu übernehmen, damit sie die E-Scooter-Situation auf ihren Straßen endlich überblicken. Wunder Mobility sagt, mit mehreren Großstädten in Deutschland sei man bereits in Kontakt.