So wie bereits die USA und Deutschland hat nun auch Kanada Klage gegen Volkswagen eingereicht. Dies teilte die Regierung in Ottawa mit. Demnach will auch sie den Wolfsburger Konzern wegen manipulierter Abgaswerte und der Verbreitung irreführender Informationen juristisch belangen, nachdem vier Jahre gegen den Autohersteller ermittelt worden war.

Im Detail wirft das kanadische Umweltministerium dem Konzern vor, gegen Umweltschutzgesetze des Landes verstoßen zu haben. Laut der Anklageschrift geht es um fast 128.000 Fahrzeuge, die zwischen Januar 2008 und Dezember 2015 in das Land ausgeführt worden waren – versehen mit einer Software, die kanadische Abgasnormen umgehen sollte.

Volkswagen teilte mit, man habe mit den Behörden in Kanada umfassend kooperiert und werde bei einer Anhörung an diesem Freitag vor einem Gericht in Ontario eine Vergleichslösung vorlegen. Einzelheiten dazu würden in dieser mündlichen Verhandlung vorgestellt.

Der sogenannte Dieselskandal beschäftigt den Volkswagen-Konzern seit September 2015. Damals hatte VW auf Druck der US-Behörden zugegeben, in großem Stil bei der Abgasreinigung von Dieselmotoren betrogen zu haben. Der Konzern räumte ein, die Abgassoftware bestimmter Dieselmotoren so eingestellt zu haben, dass im tatsächlichen Betrieb auf der Straße deutlich mehr giftige Stickoxide (NOx) ausgestoßen wurden als in Schadstofftests.

Prozess um Schadensersatz für Dieselfahrer

In den USA einigte sich der Volkswagen-Konzern mit klagenden Fahrzeugbesitzern sowie der US-Umweltbehörde EPA auf eine Lösung. Sollte der Vergleich vom zuständigen US-Gericht genehmigt werden, müsste VW rund 96,5 Millionen Dollar zahlen.

In Deutschland läuft derzeit vor dem Oberlandesgericht Braunschweig ein Musterverfahren, bei dem die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Automobilclub ADAC stellvertretend für betroffene Dieselkäufer Ansprüche geltend machen wollen. Volkswagen habe seine Kunden "vorsätzlich und sittenwidrig" geschädigt, argumentieren sie und verlangen – äquivalent zu den Verfahren in den USA – ebenfalls Schadenersatz.

Zuletzt hatte das Gericht die Beteiligten allerdings aufgefordert, ernsthaft über Vergleichsverhandlungen nachzudenken. Bis Ende dieses Jahres sollen beide Seiten mitteilen, ob grundsätzlich Gespräche über eine Einigung in Betracht kommen.