In diesem Jahr gleichen deutlich mehr Einzelpersonen und Unternehmen über Spenden die Treibhausgase aus. Das gibt die Klimaschutzorganisation Atmosfair an. Das Umweltbundesamt hält diese Kompensationen zwar gegebenenfalls für sinnvoll, eine Lösung für die Klimakrise seien sie aber nicht. Auf der aktuellen UN-Klimakonferenz in Madrid wollen die Staaten darüber beraten, nach welchen Regeln ein internationaler Markt im Klimaschutz funktionieren kann.

Atmosfair liege bereits jetzt über dem Vorjahreswert von 9,75 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen, sagte die Sprecherin der Klimaschutzorganisation Julia Zhu. Dabei gingen neben der Haupturlaubssaison auch in der Zeit um Weihnachten besonders viele Spenden ein. "Auch die Fridays-for-Future-Bewegung hat sich deutlich bemerkbar gemacht", sagte Zhu. Atmosfair erwartet für 2019 ein noch stärkeres Wachstum als im Vorjahr.

Der Hamburger Anbieter Arktik kann nach Angaben eines Sprechers ebenfalls einen leichten Anstieg der Kompensationen von Privatkunden für Flugreisen und Autofahrten verzeichnen. Atmosfair und Arktik sind zwei von mehreren Anbietern, bei denen Flüge, Kreuzfahrten und anderes quasi kompensiert werden können, indem man Geld spendet. Damit werden Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert.

UN-Klimakonferenz: Transferoption von CO2-Budget geplant

Eine Kompensation kann nach Ansicht eines Experten des Umweltbundesamtes einen zusätzlichen privaten Beitrag zum Klimaschutz erbringen. Als Rechtfertigung für unverändertes, klimaschädliches Verhalten solle sie aber nicht verstanden werden, sagte Frank Wolke. Vielmehr sollte aus seiner Sicht vor jeder Kompensation die Frage stehen, inwieweit die eigenen Emissionen völlig vermieden oder zumindest vermindert werden können.

Auf der UN-Klimakonferenz soll nun unter anderem weiter festgelegt werden, wie beim Klimaschutz gehandelt werden kann. Wenn ein Staat seine Ziele übererfüllt, kann er sozusagen ein ungenutztes CO2-Budget verkaufen. Andere Staaten, bei denen es langsamer geht, können dieses dann kaufen. Auch Fluggesellschaften und andere Akteure könnten Klimaschutz finanzieren und damit ihre Klimabilanz verbessern.

Die Zahl der Passagiere hat der Effekt der sogenannten Flugscham bisher noch nicht reduziert: Fast 58,9 Millionen Passagiere reisten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von den 24 deutschen Hauptverkehrsflughäfen ab – ein Rekord.