Der Dienst-BMW von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Bundeskabinett der mit dem höchsten realen CO2-Ausstoß – obwohl es ein Benzin-Elektro-Hybridwagen ist. Knapp hinter Scheuer landen die Benzin-Elektro-BMWs von Justizministerin Christine Lambrecht und Umweltministerin Svenja Schulze (beide SPD), wie die Organisation mitteilte. Alle drei Fahrzeuge sind mit 290 Kilowatt Motorleistung (knapp 400 PS) ausgewiesen und einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometer pro Stunde.

Die Definition realer Ausstoß der Umwelthilfe ist nicht identisch mit den Angaben zum offiziellen CO2-Normausstoß der Autohersteller, die deutlich tiefer liegen. Bei ihrer eigenen Erhebung stützt sich die Umwelthilfe auf Daten des Umweltforschungsverbunds ICCT. So kommen etwa die Dienst-Audis von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) oder Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in dem Ranking relativ gut weg, obwohl sie einen vergleichsweise hohen Norm-Ausstoß an CO2 haben. Die weiteren Dienstwagen der Bundesminister haben deutlich geringere Motorleistungen (195 bis 240 kW) als die drei Spitzenreiter.

Eine aus Sicherheitsgründen möglicherweise vorhandene Panzerung der Fahrzeuge, die das Gewicht und damit den Ausstoß ja erhöhen würde, wurde nicht berücksichtigt, wie eine DUH-Sprecherin sagte. Man habe die Daten der Standardversionen der Modelle berücksichtigt, um Vergleichbarkeit zu schaffen.    

In dem Ranking wurden die gepanzerten Fahrzeuge der Bundeskanzlerin, der Verteidigungsministerin sowie des Außen-, Innen- und Finanzministers nicht mit aufgenommen. Das liegt daran, dass die Bundesregierung die Motorisierung dieser Fahrzeuge nicht an die Umwelthilfe herausgab. 2017 hatte die Umwelthilfe vor Gericht erstritten, das das Innenministerium die Daten des ministerialen Dienstwagens herausgeben muss. Die Behörde hatte das damals mit Verweis auf die Sicherheitslage erstmals verweigert.

Unter den Länderchefs rangiert der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), erneut auf dem schlechtesten Platz. 

Den niedrigsten CO2-Ausstoß im Bundeskabinett hatte der Elektro-Benzin-BMW von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und der Diesel-Audi von Landwirtschaftsministerin Klöckner.

Diesel-Pkw haben im Schnitt einen niedrigeren CO2-Ausstoß als Benziner, sie sind aber laut Umweltbundesamt Hauptquelle für Stickoxid in den Städten. Unter den Länderchefs hat laut DUH der Benzin-Hybrid des Bremer Bürgermeisters Andreas Bovenschulte (SPD), der teilweise elektrisch fährt, die niedrigsten Emissionen.

237 Dienstwagen untersucht

Insgesamt seien die CO2-Emissionen bei Dienstwagen erstmals gestiegen, hieß es von der Umwelthilfe. Zudem halte keiner der Dienstwagen der Regierungspolitiker im Bund und in den Ländern EU-Flottengrenzwerte ein – auch die drei Fahrzeuge nicht, die einen reinen Elektroantrieb hätten. Bei Fahrzeugen mit teil- oder vollelektrischem Antrieb wurde den Angaben zufolge der CO2-Gehalt des deutschen Strommixes zugrunde gelegt.

Insgesamt wurden den Angaben nach 237 Dienstwagen untersucht. Davon hatten 143 Fahrzeuge Dieselantrieb, 74 seien mit Plug-in-Hybridantrieb ausgestattet. 17 der Autos seien konventionelle Benziner, drei elektrobetrieben.

Die Umwelthilfe wacht seit Bekanntwerden des Abgasskandals intensiv über die Luft- und Abgaswerte. In zahlreichen Kommunen hat sie vor Gericht Fahrverbote für emissionsstarke Fahrzeuge erwirkt.