Tempo, Tesa, Vespa: Nur ganz wenige Artikel schaffen es, Synonym für eine ganze Produktgruppe zu werden. Seit der italienische Fahrzeughersteller Piaggio 1946 die Vespa eingeführt hat, wurden 18 Millionen Stück verkauft, in den letzten zehn Jahren 1,6 Millionen. Rollern ist angesagt – und wird nun auch elektrisch. Vor drei Jahren stellten die Italiener in Mailand auf der Zweiradmesse EICMA eine Vespa vor, deren kleiner Motor nicht mehr laut knattert, sondern ganz leise schnurrt: die Vespa Elettrica. Sie war der Star der Messe, geschützt mit dicken Ketten und aufmerksamem Sicherheitspersonal. Nur schauen mit reichlich Abstand war erlaubt, anfassen streng verboten.

Es folgten zahlreiche Ankündigungen, aber der leise und saubere Roller ließ lange auf sich warten. Immer wieder wurde die Produkteinführung verschoben. Zwei Jahre nach dem ersten öffentlichen Auftritt, im November 2018, kam die erste Vespa Elettrica auf den Markt. Sie kann bis zu 45 Kilometer pro Stunde fahren. Jetzt kommt eine Variante mit 70 Kilometern pro Stunde dazu. Ist schnell besser als langsam? Und worin unterscheiden sich die beiden Roller noch?

Ein besseres Design geht kaum

Optisch gibt es nur einen kleinen Unterschied: Die langsame Vespa zieren blaue Streifen am Sitz, an den Felgen und als Flankenschutz um den Rahmen herum. Bei der schnellen Variante sind die Zierstreifen gelb. Ansonsten sieht die Elettrica aus wie eine Vespa mit Verbrennermotor. "Wir haben den Antrieb dem Design angepasst, damit der Roller erkennbar und unverwechselbar bleibt", sagt Angelo Mazzone, Geschäftsführer von Piaggio Deutschland. Die Elettrica ist optisch ein eineiiger Zwilling der Primavera. Die eine so schön wie die andere. Über die Jahrzehnte wurde die Form der Vespa beständig optimiert und dem Zeitgeist angepasst. Die Vespa scheint perfekt, ein besseres Design bei einem Roller geht kaum.

Auch technisch unterscheiden sich die zwei elektrischen Modelle kaum. Beide haben denselben Elektromotor mit einer Leistung von 3,6 Kilowatt und einen Akku mit einer Batteriekapazität von 4,2 Kilowattstunden. Der 25 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akku ist fest verbaut und wird über ein herausziehbares Kabel bei aufgeklappter Sitzbank geladen. Steckt das zwei Meter lange Kabel in der Dose, kann die Bank zugeklappt werden. Nach etwa vier Stunden ist der Akku voll. Dessen Lebensdauer gibt Vespa mit rund 1.000 Ladezyklen an. Das entspricht etwa 70.000 Kilometern und einer verbleibenden Energiekapazität von 80 Prozent. Den Unterschied zwischen den Rollern macht die Motorsteuerung für mehr oder weniger Höchstgeschwindigkeit. Und eine längere Übersetzung bei der schnelleren Vespa, was zu einer niedrigeren Drehzahl bei gleicher Geschwindigkeit führt. Das senkt den Energieverbrauch und verbessert die Reichweite bei höherem Tempo.