Der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, hat die Klimapolitik der Bundesregierung kritisiert und eine Abschaffung der Pendlerpauschale gefordert. Dass die Bundesregierung stattdessen die Pauschale erhöhe, sei der falsche Weg, sagte Schmidt der Rheinischen Post. Klimapolitisch werde damit "das falsche Signal" ausgesendet. Pendler mit langen Distanzen und höherem Einkommen würden damit sogar belohnt.

Die Pendlerpauschale befördere die "Zersiedlung der Landschaft", kritisierte der Ökonom, der Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) ist. "Sie belohnt Menschen dafür, dass sie freiwillig mitunter sehr weit entfernt von ihrem Arbeitsort leben. Aus ökonomischer Sicht müsste man die Pendlerpauschale abschaffen", sagte er.

Schmidt wies darauf hin, dass er zwar den Wunsch verstehe, "sozialen Ausgleich" zu schaffen. Er sprach sich jedoch dafür aus, dies über eine Klimadividende, also eine Direktausschüttung von Einnahmen aus dem CO2-Preis an die Bürger, oder eine Absenkung der EEG-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien zu regeln. Letzteres ist im Klimapaket der Bundesregierung vorgesehen. 

Der vergangene Woche von Bundestag und Bundesrat abgesegnete Kompromiss zum Klimapaket der Bundesregierung sieht vor, dass die Pendlerpauschale ab dem 21. Entfernungskilometer im Jahr 2021 zunächst von 30 auf 35 Cent steigt. Für die Jahre 2024 bis 2026 soll sie dann 38 Cent betragen. Mit der Erhöhung der Pauschale soll ein Ausgleich für die steigenden Benzinkosten infolge des CO2-Preises geschaffen werden.

Der von Schmidt geleitete Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erstellt Konjunkturprognosen für die Bundesregierung. Die fünf Mitglieder des Gremiums werden informell als die "Wirtschaftsweisen" bezeichnet.