Der Flugverkehr belastet das Klima, und damit weniger geflogen wird, will die Bundesregierung das Fliegen teurer machen. Ab April steigt die Luftverkehrsteuer. Klar, dass die Luftfahrtbranche das kritisiert. Sie hält nationale Alleingänge für falsch und plädiert für international abgestimmte Maßnahmen, die Emissionen reduzieren sollen. Die Branche hat bereits etwas ausgearbeitet, es trägt den Namen Corsia. Kann man bald also wieder mit gutem Gewissen fliegen?

Corsia ist eine Abkürzung für CO2-Kompensations- und -Einsparungssystem für die internationale Luftfahrt, auf Englisch Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation. Über Corsia können Fluggesellschaften ihren Ausstoß von Treibhausgasen kompensieren, indem sie Zertifikate von Unternehmen kaufen, die durch Klimaschutzprojekte Emissionen anderswo reduzieren. Das Ziel: Die Gesamtemissionen aller internationalen Flüge, die an Corsia beteiligt sind, sollen ab 2021 nicht mehr steigen. 

Dazu gibt es eine Vorgeschichte. Schon im Jahr 2010 hatte die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) beschlossen, dass die CO2-Emissionen aus dem internationalen Luftverkehr ab 2020 stabil bleiben sollten. Technische Verbesserungen an den Flugzeugen und nachhaltige Treibstoffe sollten dazu beitragen. Doch die Innovationen reichen nicht, um das Ziel zu schaffen, der Flugverkehr nimmt zu schnell zu. Deshalb gibt es nun Corsia.

"Das, was derzeit möglich ist"

Frank Fichert sieht das Handelssystem als Schritt in die richtige Richtung – "unter Berücksichtigung der vielfältigen Restriktionen und Interessen, die wir im internationalen Luftverkehr haben". Fichert ist Professor für Touristik und Verkehrswesen an der Hochschule Worms. Er sagt auch: "Natürlich könnte es noch weiter gehen. Ich denke, es ist das, was derzeit auf internationaler Ebene möglich ist."

Corsia umfasst internationale Flüge zwischen Staaten, die an dem Programm teilnehmen. Der ICAO zufolge sind es derzeit 81, sie decken mehr als drei Viertel des internationalen Luftverkehrs ab. Inlandsflüge sind allerdings – anders als bei der deutschen Luftverkehrsteuer – komplett von Corsia ausgenommen, denn für sie ist die ICAO nicht zuständig. Sie zählen, wenn die nationalen Emissionen bilanziert werden, um zu sehen, ob Deutschland seine versprochenen Klimaziele erreicht. Internationale Flüge werden in diesen nationalen Klimabilanzen nicht berücksichtigt. Aber sie schaden dem Klima natürlich trotzdem. Darauf sei Corsia die Antwort, sagt Fichert. 

Im Jahr 2021 soll Corsia mit einer Pilotphase beginnen. Die Teilnahme am Zertifikatehandel ist zunächst noch freiwillig. Ab 2027 wird sie dann für alle Staaten verpflichtend, deren Fluggesellschaften im Jahr 2018 mehr als 0,5 Prozent des globalen Flugverkehrs verursacht haben. Spätestens dann wären auch große Länder wie China, Brasilien, Russland und Indien dabei, die bisher die Teilnahme verweigern. "Das Fehlen der vier tut im Moment weh", sagt Fichert, "da findet relativ viel Luftverkehr statt."

Während er sich vorsichtig positiv zu Corsia äußert, kritisieren ökologisch orientierte Organisationen das Handelssystem. "Aus unserer Sicht ist Corsia Augenwischerei und völlig unzureichend", sagt Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Schon jetzt mache der Flugverkehr zwei bis drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus. Und seine klimaschädliche Wirkung geht noch darüber hinaus: Laut dem Umweltbundesamt (UBA) tragen Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf sowie die Beeinflussung der Wolkenbildung zusätzlich zur Erwärmung der Atmosphäre bei. Um die Dienstreisen der Bundesregierung auszugleichen, multipliziert das UBA die CO2-Emissionen mit dem Faktor drei. Bei Corsia hingegen werden allein die CO2-Emissionen ausgeglichen.