So wie es Autofahrer und -fahrerinnen gibt, die mit leerem Tank liegen bleiben, geht anderen der Strom während der Fahrt aus. In beiden Fällen sind die Fahrer ganz allein schuld: Sie hätten nur rechtzeitig tanken müssen. Der mit Verbrenner löst sein Problem leicht mit einem Ersatzkanister. Aber was macht der, dessen Akku leer ist?

Darauf musste ich eine Antwort finden, als ich mit einem Tesla Model 3 auf einer Landstraße genau zwischen einer Autobahnauf- und -abfahrt stehen geblieben bin. Zu allem Überfluss war das Auto direkt hinter mir auch noch die Polizei. "Hier können Sie nicht stehen bleiben, fahren Sie sofort weg", rief der Polizist aus seinem Wagen. "Das weiß ich selbst, geht aber nicht, weil der Akku leer ist", war meine Antwort. "Dann schieben Sie das Auto weg." Ich schaffte es nicht: Die Räder drehten sich keinen Millimeter. "Sie müssen hier weg", drängte der Polizist weiter. Erst als ich versprach, die Hotline von Tesla anzurufen, fuhr er weiter. Und ich hatte erstmals Zeit, darüber nachzudenken, was geschehen war.

Als ich das Auto am Abend zuvor bei mir zu Hause abgestellt hatte, hatte das Display eine Restreichweite von 18 Kilometern angezeigt. Und die nächste Stromtankstelle ist nur 1,6 Kilometer entfernt. Aber als ich am nächsten Morgen ins Auto stieg, zeigte das Display 0 Kilometer an. In der Nacht war es kalt gewesen und Minustemperaturen sind der größte Feind von Akkus. Ich musste aber los zur Arbeit und warum sollte im Elektroauto nicht möglich sein, was jeder Verbrenner kann: Selbst wenn die Tankuhr auf null steht, fahren Benziner und Diesel immer noch 20, 30 oder sogar 50 Kilometer weit. Eine stille Reserve, die nicht angezeigt wird, macht es möglich. Vielleicht auch im Stromer?

Start mit angeblich leerer Batterie

Tatsächlich startete das Auto trotz scheinbar leerer Batterie. Ich musste nur mehrere optische und akustische Warnungen des Bordcomputers ignorieren. Nach der Hälfte der Strecke wurde die Energieabgabe reduziert, das Auto fuhr nur noch 40 Stundenkilometer. Und schließlich – knapp 200 Meter vor der angepeilten Stromtankstelle – leuchtete im Display auf: "Der Akku wird heruntergefahren." Da stand ich also und nichts ging mehr.

Nach dem Erlebnis mit dem Polizisten begrüßte mich ein junger Mann in der Tesla-Hotline mit den Worten: "Only English." Er wollte wissen, was passiert war und wo genau das Auto steht. Und tatsächlich stand nach gerade mal 20 Minuten ein Abschleppwagen rückwärts vor dem Tesla. Die beiden Mitarbeiter des Dienstes fixierten die Räder des Model 3, stellten tragbare Rollen davor und schafften es mit aller Kraft, das Auto auf diese Rollen zu schieben. Auf diesen konnten sie es dann auf den Abschleppwagen ziehen. Dort wurde das Auto die verbleibenden Meter zur Ladestation gefahren.

Nach der Aufladung lief das Auto problemlos. Alles vergessen und vorbei? Nein: Der Vorfall warf wichtige Fragen auf. Warum konnte ich den Tesla nicht schieben? Wer übernimmt die Abschleppkosten? Und warum wusste ich nicht, dass E-Autos eine Reserve haben?

Abschleppen verboten

Die Antwort auf die erste Frage weiß Frank Gaugler, Chef der beiden Mitarbeiter, die meinen Tesla abschleppten. "An dem Auto waren sowohl die Antriebsbatterie als auch die Starterbatterie leer", sagt er. "Was ungewöhnlich ist und auf einen technischen Defekt schließen lässt." Deshalb konnten seine beiden Mitarbeiter nicht den Abschleppmodus wählen. Der dient dazu, dass das Getriebe gelöst und die Rekuperation, also die Energiegewinnung sich drehender Räder, abgeschaltet wird. E-Autos ohne diesen Defekt sollten sich im Abschleppmodus ein kleines Stück schieben und auf den Abschleppwagen laden lassen.

Es kommt selten vor, dass Gaugler Elektroautos mit leeren Batterien bergen muss. Doch die Fälle sind trotzdem häufiger als bei Autos mit leerem Tank. Abschleppdienst ist allerdings ein irreführender Begriff. "Wir schleppen keine Autos mehr, sondern verladen alle", sagt Gaugler. Viele Hersteller verbieten sogar, ihre E-Fahrzeuge abzuschleppen. Wieso das?