Die Zahl der Beschäftigten, die in Deutschland zwischen den Bundesländern, zwischen den Kreisen und über Gemeindegrenzen hinweg zur Arbeit pendeln, hat zugenommen. Das geht aus Daten zu Pendlerverflechtungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die die Linkenabgeordnete Sabine Zimmermann analysiert hat und der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Im vergangenen Jahr gab es demnach 3,40 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die ihren Arbeitsort nicht in dem Bundesland hatten, in dem sie wohnten. Im Jahr davor waren es rund 50.000 weniger – und 1999 erst 2,14 Millionen.

Rund 60 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben 2018 für die Arbeit ihre Gemeinde verlassen. Im Jahr 2000 waren es 54 Prozent, was eine weitere Auswertung der Pendlerdaten zeigt, die das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung vorgenommen hat. Demnach pendelten zuletzt 19,3 Millionen Beschäftigte. 2000 waren es noch 14,94 Millionen. Die starke Zunahme liege vor allem am Beschäftigtenzuwachs in den vergangenen Jahren. Zunehmend verlassen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit auch ihren Stadt- oder Landkreis. 2018 waren es 12,6 Millionen, 2000 erst 9,3 Millionen.

Auch die Länge des Wegs zur Arbeit ist im Schnitt gestiegen. Wie das Bundesinstitut ermittelt hat, stieg die durchschnittliche Länge der Arbeitswege von 14,8 Kilometer im Jahr 2000 auf 16,9 Kilometer im Jahr 2018. Die 16-Kilometer-Distanz wurde bereits 2006 überschritten. Der Trend zu immer weiteren Arbeitswegen schwächte sich in den vergangenen Jahren ab.

390.000 Beschäftigte pendeln nach München

"Der Druck, im Beruf mobil zu sein und weite Wege zum Arbeitsplatz zurückzulegen, hat in den letzten Jahren unvermindert angehalten", sagte die Linkenabgeordnete Zimmermann. Der Preis sei zunehmender Stress, insbesondere bei Fernpendlern, bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Demnach sind die Wege in den dünn besiedelten Räumen abseits der Ballungsräume besonders lang. In großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts legen Beschäftigte im Durchschnitt mehr als 30 Kilometer auf dem Weg zur Arbeit zurück. Wesentlich mehr Beschäftigte fahren aus Ostdeutschland in die westdeutschen Bundesländer, um zu arbeiten, als in umgekehrter Richtung. Nach den BA-Zahlen pendelten etwa 415.000 ostdeutsche Beschäftigte in den Westen. Umgekehrt kamen aus Westdeutschland 178.000 Beschäftigte in den Osten.

Vor allem in die Metropolen pendeln regelmäßig Hunderttausende. An der Spitze der Stadt- und Landkreise steht laut Bundesinstitut München: Hier kamen zuletzt rund 390.000 Beschäftigte aus einem anderen Kreis in die Stadt zur Arbeit. Es folgten Frankfurt am Main (374.000), Hamburg (350.000) und Berlin (315.000). Umgekehrt pendeln aus den großen Städten auch zunehmend Beschäftigte zu Arbeitsplätzen im Umland oder in andere Großstädte, wie das Bundesinstitut weiter mitteilte.