Neu zugelassene Autos werden immer größer, schwerer und ihre Motoren immer stärker. Das geht aus Daten des International Council on Clean Transportation hervor. Der Trend zum SUV trägt seinen Teil bei. Neue Technologien machen Motoren zwar kräftiger und effizienter, doch das hat seinen Preis. Auch neue Assistenzsysteme, besseres Licht und gründlichere Abgasreinigung tragen dazu bei, dass Autos immer teurer werden. Durchschnittlich 33.580 Euro bezahlten Deutsche vergangenes Jahr laut Report der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) für einen Neuwagen. Damit hat sich der Preis in zehn Jahren um 30 Prozent erhöht. Gebrauchtwagen verteuerten sich im selben Zeitraum um 42 Prozent auf 12.470 Euro.

Doch aus diesen Zahlen kann man nicht schließen, dass die Preise für neue Autos schneller steigen als die für gebrauchte. Denn für die Studie befragte die DAT ausschließlich Privatnutzerinnen und -nutzer. Gewerblich genutzte Autos wie Dienstwagen werden nicht berücksichtigt. Die haben einen Marktanteil bei Neuzulassungen von 65 Prozent und sind meist teurer als Privatfahrzeuge. Außerdem kaufen Firmen keine Gebrauchtwagen. "Aus diesen Gründen findet tatsächlich ein proportionaler Anstieg der Preise für Neu- und Gebrauchtwagen statt", sagt Martin Weiss, Leiter der Fahrzeugbewertung bei der DAT. Den Report erstellt das Unternehmen seit 1973. Die aktuellen Preise sind die höchsten seit Beginn der Erhebung.

Muss man sich nun Sorgen machen, dass sich Normalverdienende bald kein Auto mehr leisten können? Nein. Denn mit den Jahren sind auch die durchschnittlichen Einkommen gestiegen – und zwar im Gleichschritt mit den Preisen für Autos. Neuwagenkäufer gaben in den vergangenen zwanzig Jahren stets 60 Prozent ihres Jahreseinkommens für einen Neuwagen aus. Bei den Gebrauchten ist dieses Verhältnis unwesentlich von 29 auf 32 Prozent gestiegen. Also kann sich jede Autokäuferin, ob Neu- oder Gebrauchtwagen, ein Auto im gleichen Verhältnis zu ihrem Einkommen leisten wie vor zwanzig Jahren.

Für Gebrauchtwagen fehlen oft Finanzierungsoptionen

Ein großer Unterschied besteht darin, wie diese beiden Käufergruppen ihre Autos bezahlen. Obwohl Neuwagenkäufer ein deutlich höheres Haushaltseinkommen haben, finanzieren oder leasen sie viel öfter als Gebrauchtwagenkäufer. Nur etwa jeder fünfte Neuwagen wird ganz oder teilweise selbst bezahlt, der große Rest ist fremdfinanziert oder geleast, geht aus dem DAT-Report hervor. Bei den Gebrauchtwagenkäufern haben 60 Prozent das Geld vorher gespart.

Das hat seinen Grund: "Die Finanzierung von Neuwagen ist einfacher und attraktiver als bei Gebrauchten", sagt Martin Endlein, der für den DAT-Report verantwortlich ist. Die Autohersteller haben meist eigene Autobanken und erhöhen mit günstigen Konditionen ihren Absatz. "Gebrauchtwagenhändler können bei diesen günstigen Finanzierungen oft nicht mithalten", sagt Endlein. Sie finanzieren über freie Banken, wo die Zinsen deutlich höher sind. Gebrauchte werden daher zwangsweise öfter bar bezahlt. Leasing hat im Gebrauchtwagensegment keine Bedeutung.

Alte Diesel als Option für Landbewohner

Wenn Gebrauchte immer teurer werden und es für sie kaum Finanzierungsmöglichkeiten gibt, können alte Diesel eine Alternative für Menschen auf dem Land sein. Vorausgesetzt, sie müssen nicht in Städte fahren, die für diese Modelle gesperrt sind. In den vergangenen Jahren liefen die Selbstzünder im Verkauf deswegen schlecht, aber: "Die Angst hat sich gelegt, der Verkauf von Dieseln hat sich auf dem Niveau der beginnenden Dieselkrise im Jahr 2016 eingependelt", sagt Endlein.

2019 wurden laut Kraftfahrtbundesamt 2,3 Millionen gebrauchter Diesel umgeschrieben, die meisten mit der neuen Euro-6-Norm. "Diese sauberen Diesel sind von Fahrverboten ausgenommen – und daher teuer im Gebrauchtwagenhandel", sagt Endlein. Lohnende Schnäppchen können seiner Ansicht nach Käuferinnen von Dieseln mit Euro 4 machen. Die gehandelten Fahrzeuge hätten zwar Motoren mit hohen Laufleistungen, seien aber technisch zuverlässig und spürbar günstiger als vergleichbare Benziner. Doch Vorsicht: Privatleute verkaufen ihre Autos wie gesehen, eine Gewährleistung wie im gewerblichen Handel gibt es nicht.

Insgesamt geht die Preisspanne bei Autos aus zweiter Hand also auseinander: Gebrauchtwagen werden zwar im Durchschnitt immer teurer, aber gleichzeitig sind alte Diesel für wenig Geld zu haben.