Der Fahrradclub ADFC und der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) appellieren an Kommunalpolitik und Transportbranche, mehr Sicherheit für Radfahrende zu schaffen. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die beiden Interessenverbände, Kreuzungen umzubauen, getrennte Grünphasen für Radfahrer einzuführen und möglichst alle Lkw mit Abbiegeassistenten auszurüsten.

Nach Angaben des ADFC sterben jedes Jahr 30 bis 40 Radfahrende bei Unfällen mit abbiegenden Lkw. Hauptverursacher sei in mehr als 90 Prozent der Fälle der Lkw-Fahrer oder die Lkw-Fahrerin. Die Zahl droht laut dem Fahrradclub zu steigen, denn sowohl städtischer Güterverkehr als auch Radverkehr nähmen weiter zu. In diesem Jahr seien bereits sechs Menschen auf diese Weise verunglückt. Als Opfer überdurchschnittlich häufig betroffen sind dem ADFC zufolge Frauen, Kinder und Seniorinnen auf dem Rad. Lkw-Fahrer seien oft für Jahrzehnte traumatisiert.

Um solche Unfälle zu verhindern, müssten Lkw und Rad- sowie Fußverkehr räumlich getrennt werden und sich jederzeit gut sehen können, fordern ADFC und BGL. "Die Art, wie Kreuzungen in Deutschland gestaltet sind, begünstigt schwerste Unfälle", sagt ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Sein Verband schlägt vor, Bundesmittel für den Radverkehr aus dem Klimapaket zu nutzen, um Kreuzungen durch Elemente wie Schutzinseln und vorgezogene Haltelinien sicherer zu machen.

Helfen könnten auch Abbiegeassistenten für Lkw, die Fahrer mit einem Piepen vor einem drohenden Zusammenstoß warnen. Solche Systeme werden ab 2022 europaweit verpflichtend eingeführt. Bis dahin müssten Kommunen ihre großen Fahrzeuge, zum Beispiel Müllwagen, nachrüsten, fordern ADFC und BGL. Transportunternehmen sollten die Fördermittel des Bundes aus der Aktion Abbiegeassistent des Bundesverkehrsministeriums nutzen. Von Herstellern der Systeme erwarten die Interessenverbände, dass sie schnellstmöglich Abbiegeassistenten auf den Markt bringen, die automatisch abbremsen, wenn ein Radfahrer zu nahe kommt.

Darüber hinaus schlagen BGL und ADFC vor, getrennte Ampelphasen einzurichten. Geradeaus fahrende Radfahrer und rechts abbiegende Autos sollten nicht gleichzeitig Grün haben, heißt es im Positionspapier. "Kürzere Grünphasen für den Kfz-Verkehr sind zugunsten der Verkehrssicherheit und der Gleichberechtigung der Verkehrsarten in Kauf zu nehmen."