Volkswagen will den klagenden Dieselkunden trotz des gescheiterten Vergleichsverfahrens mit Verbraucherschützern eine Entschädigung zahlen. Die bereits ausgehandelten 830 Millionen Euro sollen "auch ohne die Unterstützung des Verbraucherzentrale Bundesverbands" angeboten werden, teilte das Unternehmen mit. Das habe der Vorstand beschlossen.

Anspruchsberechtigte Kunden sollen bereits ab Ende März "unkompliziert und schnell das auf sie zugeschnittene Angebot für eine Einmalzahlung" erhalten, hieß es weiter. Interessierte könnten sich bis dahin in einen E-Mail-Newsletter eintragen, um vom Unternehmen auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Zuvor waren die Verhandlungen über einen Vergleich zwischen Volkswagen und Hunderttausenden Dieselbesitzern in einem Musterfeststellungsverfahren des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) gescheitert. Der Konzern hatte mitgeteilt, dass man sich bereits auf eine Entschädigungssumme "in einer Größenordnung von insgesamt 830 Millionen Euro" geeinigt hatte. Doch dann sei die Vereinbarung wegen hoher Honorarforderungen der vzbv-Anwälte geplatzt: Der vzbv habe "bis zum Schluss" auf einer Pauschalzahlung von 50 Millionen Euro für die Abwicklung des Vergleichs bestanden. "Ausreichend konkrete Nachweise", für welche Leistungen die 50 Millionen Euro gezahlt werden sollten, hätten die Rechtsberater des vzbv "nie geliefert", kritisierte Volkswagen. Auch einer unabhängigen rechtlichen Prüfung ihrer Gebührenforderung hätten sie sich verweigert.

Der vzbv wies die Vorwürfe zurück. Vielmehr habe VW die Verhandlungen scheitern lassen, teilten die Verbraucherschützer mit. Der Konzern sei nicht bereit gewesen, "ein transparentes, vertrauenswürdiges und für Verbraucher sicheres System der Abwicklung zu ermöglichen". Man sei "irritiert" über den Abbruch der Verhandlungen. Noch um 11.53 Uhr am Freitag sei ein Vergleichsangebot übersandt worden, das für die Abwicklung eine Kostenübernahme in Höhe von 50 Millionen Euro vorsah. "Eine Abwicklung durch unsere Anwälte war für den vzbv nicht zwingend."

Forderungen von 460.000 Kunden

In dem Musterfeststellungsverfahren geht es um Schadenersatzforderungen von rund 460.000 Kundinnen und Kunden des Konzerns. Sie sehen sich betrogen durch die Manipulation von Dieselabgaswerten, die VW 2015 zugegeben hatte. Die vereinbarte Entschädigungssumme hätte rund 2.000 Euro für jede und jeden von ihnen entsprochen.

VW nannte die ursprünglich vereinbarte Einigung eine "faire Lösung für die Kunden", die nur daran gescheitert sei, "dass die Prozessanwälte des vzbv bis zum Schluss auf einer Pauschalzahlung in Höhe von 50 Millionen Euro für die Abwicklung des Vergleichs bestanden". Es hätten keine "ausreichend konkreten Nachweise" vorgelegen, welche Leistungen damit abgerechnet werden sollten. Deshalb sei die Zahlung für Volkswagen unmöglich. Man bedaure dies und werde nun im Vorstand die weiteren Schritte beraten.

Anfang Januar hatten VW und der vzbv erklärt, über einen außergerichtlichen Vergleich zum Musterprozess sprechen zu wollen. Beide Seiten nannten dabei das "gemeinsame Ziel einer pragmatischen Lösung im Sinne der Kunden". Lange hatte VW dies skeptisch gesehen.