Die britische Regierung hat angekündigt, die umstrittenen Privatisierungen der Bahn zum Teil rückgängig zu machen und so wieder mehr Kontrolle über das Schienennetz zu übernehmen. Dazu soll eine Gesellschaft mit dem Namen British Railways geschaffen werden.
Dieser Gesellschaft soll nicht nur das gesamte Schienennetz gehören, sie soll auch Fahrpläne und die meisten Preise festlegen, das Geld für Fahrkarten kassieren sowie eine Website zum Verkauf der Tickets betreiben. Die Züge sollen weiter von privaten Unternehmen betrieben werden, die Verträge mit der Regierung schließen.
Mit diesem Schritt solle ein Vierteljahrhundert der Zersplitterung beendet werden, das einen verwirrenden und teuren Flickenteppich privater Eisenbahngesellschaften hervorgebracht habe, wie Premierminister Boris Johnson sagte. Er glaube fest an die Eisenbahn, sagte Johnson, "aber die Passagiere haben zu lange nicht das Niveau an Dienstleistung erhalten, das sie verdienen".
Eisenbahn seit Neunzigern privatisiert
Die britische Eisenbahn war in den Neunzigerjahren unter der Regierung von John Major privatisiert worden, nachdem schon dessen Vorgängerin Margaret Thatcher reihenweise Staatsunternehmen verkauft hatte. Damals behielt die Regierung nur Schienen und Bahnhöfe, während der Bahnverkehr von privaten Unternehmen im Rahmen einer Reihe von regionalen Konzessionen betrieben wurde.
Das führte zu hohen Preisen und Ineffizienz. Immer wieder saßen Berufspendlerinnen und -pendler fest, wenn neue Fahrpläne herauskamen. Außerdem waren die Züge oft zu klein. Die Corona-Pandemie verschärfte das Problem noch einmal. Die Passagierzahlen gingen zurück und zwangen die Regierung, ihr Modell zu überdenken.