Bundesverkehrsminister Volker Wissing geht von einer steigenden Bedeutung von Lastwagen im Güterverkehr aus und will die Autobahnen daher schneller ausbauen. Der FDP-Minister bezog sich auf eine neue Studie, die den Verkehr bis 2051 prognostiziert: Demnach steigt die Verkehrsleistung im Güterverkehr in dem Zeitraum um 46 Prozent – und die Straße spiele dabei mit einem Plus von 54 Prozent die größte Rolle. Für die Schiene werde mit einem Zuwachs von 33 Prozent gerechnet. Die Bedeutung von Lkw-Transporten werde verglichen mit dem Güterverkehr per Zug also sogar noch zunehmen.
Wissing verwies darauf, dass der aktuelle Verkehrswegeplan
auf das Jahr 2014 zurückgehe und auf Daten von 2010 basiere. Auf
die neuen Erkenntnisse müsse jetzt reagiert werden. Es brauche
einen beschleunigten Ausbau der Straße, um Wohlstand in
Deutschland zu sichern. Der Ausbau der Schiene allein reiche
nicht aus.
"Dafür müssen wir jetzt etwas tun", sagte Wissing. Kurzfristig Projekte nachzuholen, sei nicht möglich. Es brauche für die Straße eine Planungsbeschleunigung, die die Grünen in der Ampel-Koalition mit FDP und SPD vor allem für die Schiene wollen. Wissing zufolge müssen aber auch Ortsumgehungen, marode Brücken und Nadelöhre prioritär angegangen werden.
"Das Auto dominiert weiter den Personenverkehr", sagte er. Hier werde die Verkehrsleistung bis 2051 um knapp 13 Prozent zulegen. Die Luftfahrt und der Schienenverkehr würden allerdings deutlich schneller zulegen, mit einem Plus von jeweils über 50 Prozent.
"Jetzt ist endlich die Schiene am Zug"
Die Grünen dagegen wollen deutlich mehr Geld in den Ausbau des Schienennetzes investieren. Der
verkehrspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Stefan Gelbhaar,
sagte, die Schiene habe allein
aus den vergangenen drei Jahrzehnten beim Neubau einen
Investitionsrückstand von mehr als 30 Milliarden Euro.
"Kein Wunder, dass
die Straße Wettbewerbsvorteile gegenüber der Bahn hat. Jetzt ist endlich
die Schiene am Zug. Wir müssen deutlich mehr in die
Schieneninfrastruktur investieren und deren Ausbau beschleunigen", sagte Gelbhaar.
Das Verkehrsministerium gehe "wie Gott gegeben davon aus, dass weiterhin viel Geld für die Straße und kaum Geld für die Schiene bereitsteht", sagte Gelbhaar. "Dann wird das Straßenverkehrsaufkommen weiter deutlich ansteigen. Die Prognose beschreibt das Gegenteil der Koalitionsziele."