Die Bonuszahlungen für Manager der Deutschen Bahn führen nach Ansicht der Lokführergewerkschaft GDL zu einer Verschärfung der Tarifauseinandersetzung. "Der Tarifkonflikt wird nach dem Bekanntwerden der Boni keineswegs entschärft. Er wird noch härter", sagte GDL-Chef Claus Weselsky dem Tagesspiegel. Die Konzernspitze habe sich ihre Boni-Regelungen so schreiben lassen, dass die Voraussetzungen immer erfüllt seien.
Zuvor war bekannt geworden, dass die Bahn, die die Strompreisbremse in Anspruch genommen hatte, ihre zurückgehaltenen Boni auszahlen kann. Bisher galt wegen der staatlichen Hilfe ein Boni-Verbot. Bahnchef Richard Lutz etwa wird laut Geschäftsbericht für 2022 einen Bonus von mehr als 1,26 Millionen Euro erhalten. Der Aufsichtsrat der Bahn hat inzwischen ein neues Vergütungssystem beschlossen. In der Folge könne die Bahn ihren Vorständen die Beträge in Höhe von fast fünf Millionen Euro auszahlen, berichteten NDR, WDR und die Süddeutsche Zeitung.
"Seit Jahren müssen wir zusehen, wie der Bahnvorstand ein System der
skrupellosen Selbstbedienung immer weiter pervertiert und
perfektioniert", sagte Weselsky dem Spiegel. "Trotz miserabler Zahlen
macht sich das Management auf Kosten seiner Mitarbeiter die Taschen
voll. Die Verkehrspolitiker, egal welcher parteipolitischen Couleur,
schauen dabei zu." Weselsky forderte Lutz' Entlassung, "wenn er nicht selbst die Größe hat, zurückzutreten".
Klingbeil empfiehlt Bahnvorständen Verzicht auf Boni
Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil empfahl den Vorständen, auf die Bonuszahlungen zu verzichten. "Selbst wenn das in Verträgen alles klar geregelt ist und da jetzt Kriterien erfüllt werden, muss man sich als Verantwortlicher bei der Bahn schon fragen, ob das gerade das richtige Signal ist", sagte Klingbeil in der Sendung RTL Direkt. "Wir sind in Zeiten, wo es für verdammt viele Menschen sehr schwierig ist."
Auf die Frage, ob ein Verzicht auf die Boni geboten sei, sagte der SPD-Vorsitzende: "Es wäre ein Signal, wo zumindest jeder in der Bevölkerung sagt: Das verstehen wir. Und das sehen wir auch, dass man in Zeiten, wo wir um jeden Cent für die Bahn kämpfen, auch in der Verantwortung bei den Führungsleuten gesagt wird: Wir verzichten jetzt mal auf eine solche Zahlung."
Im Tarifstreit zwischen GDL und Bahn war schon in den vergangenen Wochen kein Lösungsweg in Sicht. Nach den Weihnachtsferien könnte es erneut zu Arbeitsniederlegungen kommen.