Während Leihscooter eher von jüngeren Gelegenheitsfahrern genutzt werden, erschließen die Roller in Privatbesitz eine andere Zielgruppe. "Wer sich einen E-Scooter kauft, ist derzeit größtenteils 40 bis 60 Jahre alt, also die typische Neuwagenzielgruppe bei Pkw", sagt Hoelling. Im Gegensatz zu Leihrollern kommen private E-Scooter öfter auf Wegen zum Einsatz, die sonst mit dem Auto zurückgelegt würden. Nutzer der Leih-E-Scooter ersetzen dagegen eher Fußwege, Fahrten mit dem Rad oder Bus und Bahn. Das zeigt etwa eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Urbanistik.

Doch eine neue Entwicklung könnte den Boom der E-Scooter und E-Bikes bremsen und ihren Beitrag zur Verkehrswende schmälern. Immer mehr Städte und Regionen verbieten derzeit die Mitnahme im öffentlichen Nahverkehr. Der Grund: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) empfiehlt, die Mitnahme von E-Tretrollern im öffentlichen Nahverkehr zu untersagen.

Unentschiedenes Gutachten zur Brandgefahr

Ein Gutachten im Auftrag der Hamburger Hochbahn belege eine besondere Brand- und Explosionsgefahr der Akkus von E-Scootern. "Was in den Fahrzeugen in Madrid, Barcelona oder London passiert ist, kann auch in Deutschland jederzeit passieren", befürchtet Ronald Juhrs, Vorsitzender des VDV-Betriebsausschusses. In Spanien hatte es 2022 einen Brand eines E-Scooters in einer U-Bahn gegeben, bei dem drei Menschen verletzt wurden.

Laut dem Gutachten gab es bisher keine vergleichbaren Fälle in Deutschland. Für die hierzulande zugelassenen E-Scooter gelten besondere Normen und Sicherheitsvorschriften, schreiben die Autoren der Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrsanlagen. Da die Brandgefahr vor allem dann bestehe, wenn man die Akkus auflade, sei ein Brand in Bus oder Bahn unwahrscheinlich. Mangels Daten sei es aber nicht möglich, die Wahrscheinlichkeit eines Brandes seriös zu ermitteln. Auch deshalb könne man die Mitnahme in U-Bahnen zum heutigen Zeitpunkt nicht empfehlen.

Verkehrswende ausgebremst?

Beim Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge sorgt das für Frust. Viele Nutzer würden Verkehrsmittel kombinieren. "Die deutsche Verbotskultur erweist sich mit diesem Thema leider einen Bärendienst und bremst die Verkehrswende erneut mehr aus, als sie anzuschieben", sagt der Vorsitzende des Verbands, Lars Zemke.

Obwohl in dem Gutachten vor allem Brände von E-Bikes erwähnt würden, seien die in Bussen und Bahnen weiter erlaubt, E-Scooter aber nicht. Er wünscht sich, dass Unternehmen die Verbote überdenken und man stattdessen darüber diskutiere, wie man Akkus noch sicherer machen könne.

Bis es dazu kommt, könnte es sein, dass E-Scooter-Nutzerinnen doch wieder aufs Auto umsteigen. Auch wenn die oft noch nicht elektrisch fahren.