Am Flughafen begrüßt der Lorbeerkranz die Besucherinnen und Besucher schon beim Aussteigen aus dem Flieger. Jedes Tokio-Taxi trägt das Banner. Und an den Doppeltürmen des Rathaus-Wolkenkratzers kleben gleich vier der weißen Symbole auf schwarzem Grund. Die Olympischen Spiele scheinen schon morgen bevorzustehen – dabei sind es noch fast zwei Jahre, bis das Feuer im Stadion entfacht wird.

Bei Toyota brennt es auch schon ziemlich kräftig. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Optimierung unserer elektrischen Antriebe", sagt Akihiro Yanaka. Der Druck auf den Chefingenieur dürfte von ganz oben kommen. Schließlich hat Firmenchef Akio Toyoda vor drei Jahren einen viele Millionen Euro schweren Vertrag als Hauptsponsor mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geschlossen. Bei drei Sommer- und Winterspielen von Olympia und Paralympics dürfen die Japaner sich als Hauptsponsor präsentieren. Der wichtigste Schauplatz ist dabei natürlich die Hauptstadt des Heimatlandes.

Yanakas Mannschaft arbeitet darum noch etwas länger als in Japan ohnehin schon üblich; also eigentlich immer. Denn so früh der VW-Rivale um die Weltmarktführung bei den Hybridantrieben präsent war, so zögerlich zeigte er sich lange bei rein batterieelektrischen Autos. Toyota stand sogar lange an der Spitze der Batterie-Ignoranten.

Eine Dauerwerbesendung unter den Augen der Welt

Jetzt soll die Marke nach Toyodas Willen von der Zuschauertribüne gleich zum Olympiasieg stürmen. Zehn E-Fahrzeuge mit Batterie werden in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. An der grundsätzlichen Überzeugung hat sich aber eigentlich nicht so viel geändert, wie die Techniker betonen: Akzeptabel seien die schweren Energieträger nur für kurze bis maximal mittlere Reichweiten. Darüber hinaus sind also auch zu den Olympischen Spielen keine solchen Autos des Herstellers zu erwarten.

Dafür aber eine ganze Flotte von Brennstoffzellenmodellen. Mehr als 100.000 Athletinnen und Athleten, Betreuerinnen und Betreuer und Funktionäre wollen schließlich einen Monat lang kreuz und quer durch die Region Tokio, zehnmal so groß wie Berlin, bewegt werden – eine Dauerwerbesendung unter den Augen der Welt. Und sicher auch vieler neidischer Tokioter. Für die dürften die chronisch verstopften Highways nämlich noch ein wenig enger werden, wenn die IOC-Granden auf ihren Sonderfahrspuren auf der dauergrünen Welle surfen. Um freie Fahrt zu garantieren, nutzt Toyota auf den Straßen sogar die Logistik aus seinem Produktionssystem.

Mit fünf Fahrzeugtypen wollen die Japaner sich bei Tokio 2020 profilieren. Die wichtigsten sind dabei per Batterie unterwegs. So soll der vollverkleidete zweisitzige i-Road Tausende Helfer ultramobil machen. Das Kleinstfahrzeug kann sich wie ein Motorrad in die Kurve legen, ist bis zu 60 km/h schnell und mit dem weiten Einschlagwinkel seines Hinterrades extrem wendig. Vorn sitzen zwei Räder, nah beieinander und mit Elektroradnabenmotoren angetrieben.

Die 60 Kilometer Reichweite sollen die Helferinnen über den Tag bringen – und der Welt diese neue Fahrzeugklasse vielleicht doch noch schmackhaft machen. Modellversuche in Tokio und Grenoble haben nämlich noch nicht zur Entscheidung für eine Massenfertigung geführt. Finanzielle Wagnisse geht Toyota schließlich ungern ein.