Manchmal macht er Pause, trinkt auf der Bühne Tee, während die anderen weiterspielen. Der Pianist, Komponist und Dada-Adept Misha Mengelberg findet Musik, die dauert, oft langweilig. Speziell jenen europäischen Free-Jazz-Musikern, die vor Jahrzehnten alles kaputtgespielt und das Jazz-Image nachhaltig ramponiert hätten, wirft er mangelnde Sensibilität vor. In seinen Kompositionen plädiert er seit je für die Verbindung von Jazztradition und zeitgenössischer Musikerfahrung, von Ellington bis Strawinsky und Nono .

Wenn man Misha Mengelberg – diesen Protagonisten der europäischen Szene, der 1967 in Holland den bis heute aktiven und permanent verjüngten Instant Composers Pool (ICP) gegründet hat – heute fragt, welche Platten maßgeblich für die Jazzrevolution in den Sechziger Jahren war, nennt er alles von Albert Ayler , dann Free Jazz von Ornette Coleman und Alexander von Schlippenbach .

Albert Ayler träumte von Engeln, so groß wie das Empire State Building. Über Musik redete er in der Sprache der schwarzen Kirche, sein Saxofon klang laut und grell - manchmal machte der den Leuten sogar Angst. Aylers Platten zählen bis heute zu den unversöhnlichsten der amerikanischen Jazz-Szene.

Ayler spielte auch im legendären New Yorker Cellar Cafe, in dem der Trompeter Bill Dixon 1964 mit dem Pianisten Cecil Taylor eine Oktoberrevolution des Jazz anzettelte. Das war die Zeit, als die free spiritual music - so nannte Ayler seinen Stil - nur in den Coffee-Shops aufgeführt werden konnte, während die Clubs die Jazzstars buchten. Ein Zeitzeuge wie der Jazzbassist Barre Phillips sagt heute noch, Aylers Ghosts -Trio sei eine der musikalisch schockierendsten Formationen der Szene gewesen.

Und der einflussreiche schwarze Kulturkritiker Amiri Baraka schrieb einst, Aylers Vibrato gliche rhythmischen Stößen, sein Saxofon heule wie ein Geisterbeschwörer, "um den Nacken des schwarzen Mannes in Ekstase geschlungen", ja, Ayler sei das Atomzeitalter, "der Explosivsound von heute". 1965 improvisierten Ayler und Co. zu Texten von Baraka: "We want poems that kill, setting fire and death to whitie's ass", hieß es hier. Die Mitmusiker des kompromisslosen Saxofonisten befürchteten, ihre Karriere zu ruinieren, so radikal war seine Musik damals. Selbst der aufgeschlossene Sopransaxofonist Steve Lacy sagt, dass in seiner eigenen Musik etwas kaputt gegangen sei, als er Ayler hörte. John Coltrane , der im Sommer 1967 starb, hatte sich gewünscht, dass Ornette Coleman und Albert Ayler bei seiner Beerdigung spielten, "Trane was the father. Pharoah was the son. I was the holy ghost", sagte Ayler.