Was bisher geschah : Nefer, Matzkes Freundin, wäre auf einer Flugreise fast davongeflogen, als die Kabinentür sich unvermutet öffnete. Um den Schreck zu vergessen, ging Matzke ins Schwimmbad, wo ihm schamlose Rentner auflauerten…

Punker altern schneller als Nichtpunker. Das mag an den Unmengen Bier, Zigaretten und Klebstoff liegen, denen ihre Körper jahrzehntelang ausgesetzt sind. Die prominentesten Vertreter der Gattung Punk sind die Musiker. An ihnen zeigt sich das ganze Dilemma. Mit vierzig sind sie beruflich am Ende. Erschöpft hängen sie in Kneipen herum und erzählen von vorgestern.

Volker Matzke war in seiner Lieblingsbar, dem Plusparaldi. Hier lief hauptsächlich Punkrock und vor ihm stand ein Punker namens Schnake.

Schnake war das, was der Volksmund als Altpunk bezeichnet, denn er war über vierzig. Schnake hieß er wegen seines geringen Körperumfangs und weil er sich so hektisch bewegte. Vor sieben Jahren hatte er noch an der Nadel gehangen— kein Wunder, daß er so zappelig war. Sieben Jahre auf Entzug hätten selbst einen Lethargiker wie Nilpferd, den Typ neben Schnake, in Rage versetzt.

Leicht angeduselt dachte Matzke über eine entscheidende Ungerechtigkeit dieser Welt nach. Typen wie Schnake leben schnell und rauschhaft. Mit vierzig haben sie das hinter sich gebracht, was ein Normalbürger in drei Leben nicht schafft. Dann ist der Körper jedoch durch. Mit fünfzig ist endgültig Schluß, und so kommt nichtmal ein Hundertstel der Punkbevölkerung in den Genuß der Verrentung. Für sie sollten andere Gesetze gelten. "Wenn ich Gesundheitsminister wäre", lallte Matzke, "dann gäbe es ein Altpunkersheim. Da könnten alle Altpunks mit vierzig rein. Wenn sie nicht mehr wollen, müssen sie keine Musik mehr machen. Im Altpunkersheim könnten sie den ganzen Tag Sprüche klopfen, Karten kloppen und das Pflegepersonal anschnorren."

Matzke war von seiner Idee vollkommen begeistert. In so einem Heim hätte er gern Zivildienst gemacht. Dort würde er alt werden wollen. Er stellte sich ein verqualmtes, nach Dosenbier riechendes Altersheim vor. Punker in Rollstühlen säumen die Flure und jeder hat einen Kassettenrekorder dabei, aus dem Punkrock scheppert.

Doch Schnake wollte auf die Idee nicht eingehen, er war zu betrunken. "Neulich war hier ein Typ, der hat von seinen Freunden zum Geburtstag eine Vogelspinne und einen Kampfhund gekriegt", dröhnte er. "Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde." Seine Einlassung blieb ohne Echo.