Kitzbühel (dpa) - Der schwer gestürzte österreichische Skirennfahrer Hans Grugger hat eine mehrstündige Not-Operation nach Angaben seines Verbandes «gut» überstanden.

Der 29-Jährige, der sich bei seinem schrecklichen Unfall auf der Streif in Kitzbühel schwere Kopfverletzungen und eine Brust-Verletzung zugezogen hatte, war seit dem frühen Nachmittag von einem Ärzteteam in der Klinik in Innsbruck operiert worden. Um 18.22 Uhr verkündete der Österreichische Skiverband (ÖSV) das Ende des Eingriffs, der «gut verlaufen» sein soll. Grugger wurde auf die Intensivstation verlegt. Vor weiteren Informationen wollte der Verband die Nacht abwarten.

Stundenlang bangten die Team-Kollegen und die gesamte Ski-Nation Österreich um Grugger, der beim einzigen Training für die Weltcup- Abfahrt den schockierenden Unfall hatte. In der Mausefalle, wo die Sprünge rund 45 Meter weit gingen, hatte er die Kontrolle verloren und war nach dem Sprung mit dem Kopf auf der eisharten Piste aufgeschlagen. Der viermalige Weltcupsieger war gleich bewusstlos und musste auf der Strecke intubiert werden. Wegen der Kopfverletzungen wurde der Sportler in Innsbruck operiert. Über den Zustand Gruggers gab es im Internet von österreichischen Medien sogar Live-Ticker.

Anderthalb Stunden vor der zweizeiligen ÖSV-Meldung hatte ein sichtlich mitgenommener Cheftrainer Mathias Berthold keine Entwarnung gegeben. Im abendlichen Trainer-Meeting hatte er nur in wenigen Sätzen über den Zustand seines Schützlings informiert. Dann bat er, keine weiteren Nachfragen zu stellen. «Da ist nicht mehr zu zu sagen im Moment», sagte der frühere deutsche Damen-Coach.

Mitfühlend äußerte sich auch der Schweizer Daniel Albrecht, der vor zwei Jahren ebenfalls in Kitzbühel schwer gestürzt war. Drei Wochen lang hatte Albrecht, der ein Schädel-Hirn-Traum und eine Lungenverletzung erlitten hatte, damals im künstlichen Tiefschlaf gelegen. Vor drei Jahren war am Zielsprung der Amerikaner Scott Macartney an dessen 30. Geburtstag verunglückt. Auch er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

Vor dieser Art der Verletzungen schützen auch die Helme bei den hohen Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/Std. nicht, wie sie die Sportler auf der Streif erreichen. «Wenn ein Aufprall bei so einer Wucht passiert wie zum Beispiel heute, dann ist auch die Dämpfungskraft eines Helmes begrenzt», sagte Renndirektor Günter Hujara, der die Piste nicht als Grund für den Unfall sah. Die Mausefalle sei in diesem Jahr nicht gefährlicher und die Streif auch nicht schneller als sonst. «Wir sind alle noch ziemlich mitgenommen, aber an der Vorbereitung der Strecke oder zu diesem Sprung hat es sicher nicht gelegen.»

Bangend um den Teamkollegen hatten die anderen österreichischen Abfahrts-Asse nach der rund 30-minütigen Unterbrechung das Training auf der Streif fortgesetzt. «Ich hab den Sturz gesehen - es war extrem schlimm zum Anschauen. Wenn du so etwas siehst, denkst dir schon: Soll ich mir das antun. Aber im selben Moment musst du das beiseiteschieben, sonst brauchst gar nicht runterfahren», sagte Gruggers in dieser Saison dreimal siegreicher Teamkollege Michael Walchhofer, der als Trainingszehnter ins Ziel kam. Aber das Ergebnis und die Trainingsbestzeit von Didier Cuche (Schweiz) waren egal - alle hofften auf eine gute Nachricht aus dem Krankenhaus.