Washington (dpa) - Einen Tag nach seiner Begegnung mit US-Präsident Barack Obama hat sich Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao der Kritik von Kongressabgeordneten gestellt.

«Wir haben unsere große und fortdauernde Sorge über Berichte von Menschenrechtsverletzungen in China geäußert», teilte der neue Präsident des Repräsentantenhauses, der Republikaner John Boehner, nach einer Zusammenkunft am Donnerstag mit.

Dazu zählten auch die Verweigerung religiöser Freiheiten und Zwangsabtreibungen als Folge der chinesischen «Ein-Kind-Politik», hieß es weiter. Peking habe die Pflicht, hier die Lage zu verbessern. Die Vereinigten Staaten stünden derweil in der Verantwortung, darauf zu achten, dass es Fortschritte gebe.

Neben Boehner hatte sich Hu mit dem demokratischen Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, mit dem einflussreichen Senator Richard Lugar und den früheren Präsidentschaftskandidaten John Kerry und John McCain getroffen. Reid hatte den Gast aus China als «Diktator» bezeichnet und war einem Staatsbankett zu Ehren Hus aus Protest gegen die Menschenrechtspolitik demonstrativ ferngeblieben.

Das Thema Menschenrechte hatte bereits am Mittwoch eine große Rolle gespielt. Dabei räumte Hu nach den Beratungen mit Obama auf einer Pressekonferenz ein, dass es «in China mit Blick auf Menschenrechte noch eine Menge zu tun gibt». Aber er bezeichnete das Thema zugleich als innere Angelegenheit, die unabhängig von äußerer Einmischung bleiben sollte. Zudem ließ er offen, wie die chinesische Seite Menschenrechte definiert.

In einer danach am Abend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung hieß es denn auch, dass es «bedeutende Differenzen» in der Frage der Menschenrechte gebe. Hinter verschlossenen Türen kam auch die Inhaftierung des chinesischen Friedensnobelpreisträgers und Bürgerrechtlers Liu Xiaobo zur Sprache, wie US-Zeitungen am Donnerstag meldeten.

Am Mittwochabend (Ortszeit) hatte der amerikanische Präsident mit einem festlichen Bankett für Hu die Bedeutung der Beziehungen zwischen beiden Großmächten unterstrichen. Es war erst das dritte Staatsdinner im Weißen Haus seit Obamas Amtsantritt vor zwei Jahren.