Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Guttenberg steht schwer in der Kritik. Die Opposition ist über die Informationspolitik zu den Vorfällen auf der «Gorch Fock» und in Afghanistan verärgert: Lückenhaft, falsch und zu langsam. Immerhin hat der Minister das Vertrauen der Kanzlerin.

Guttenberg wies im Bundestag Vertuschungsvorwürfe wegen der Vorfälle bei der Bundeswehr entschieden zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach ihm demonstrativ das Vertrauen aus. Die Opposition beklagt aber weiter, Guttenbergs Ministerium informiere das Parlament zu spät, falsch oder nur mangelhaft. Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP), der die Zwischenfälle öffentlich gemacht hatte, befürchtet ein generelles Führungsproblem in der Truppe.

Im Fall des in Afghanistan erschossenen Soldaten räumte das Verteidigungsministerium am Freitag ein, Guttenberg erst am Vortag einen Feldjäger-Bericht zu den Umständen des Unfalls vorgelegt zu haben. Der 21-jährige Gebirgsjäger war am 17. Dezember ums Leben gekommen.

In der Affäre um das Segelschulschiff «Gorch Fock» soll ein Ermittlerteam der Marine am kommenden Donnerstag in Argentinien die Mannschaft befragen. Nach dem Unfalltod einer Kadettin im vergangenen November stehen Vorwürfe der Meuterei im Raum. An Bord soll es auch zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.

Guttenberg suchte angesichts der Kritik die Offensive. «Solche Verdächtigungen sind infam», sagte er in der Bundestagsdebatte über das Afghanistanmandat für die Bundeswehr. Er versprach erneut eine «rückhaltlose Aufklärung». Notfalls müsse man «auch harte Konsequenzen ziehen».

Merkel nahm Guttenberg in Schutz. Sie vertraue auf die Arbeit des Ministers und unterstütze ihn, sagte ihr Sprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Kanzlerin sei sicher, dass «dieser ausgezeichnete Verteidigungsminister» alles aufklären werde.

Angesichts der Zwischenfälle warf der Wehrbeauftragte Königshaus die Frage auf, ob sich Fehler von Vorgesetzten in der Truppe zu sehr häuften. «Es muss überprüft werden, ob die Führung versagt hat», sagte Königshaus in der «Passauer Neuen Presse».