Berlin (dpa) - Die Kundus-Affäre hat Verteidigungsminister Guttenberg unbeschadet überstanden. Jetzt machen ihm erneut Informationspannen in seinem Ministerium Ärger. Wieder hat Guttenberg einen Feldjägerbericht erst spät erhalten.

Der Untersuchungsausschuss zu den verheerenden Bombardements von Kundus tagt zwar noch, die Affäre gilt politisch aber als längst abgehakt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der im Herbst 2009 wegen Informationspannen in seinem Haus seine beiden wichtigsten Berater entließ, überstand die Aufarbeitung der von einem Bundeswehroberst befohlenen Luftschläge mit zahlreichen Toten überraschend unbeschädigt.

Jetzt holen ihn die Probleme von damals aber wieder ein. Erneut muss sich der Minister gegen den Vorwurf der unzureichenden Information der Öffentlichkeit und der Vertuschung in der Bundeswehr wehren. Und wieder geht es um einen Feldjägerbericht, der dem Minister erst drei Wochen nach Fertigstellung vorgelegt wurde. Die Staatsanwaltschaft und der Wehrbeauftragte des Bundestags hatten ihn zu diesem Zeitpunkt längst.

Ausgangspunkt der Affäre ist diesmal ein mysteriöser Schießunfall in der afghanischen Unruheprovinz Baghlan, bei dem eine Woche vor Weihnachten ein 21-jähriger Gebirgsjäger aus Bischofswiesen ums Leben kam.

17. Dezember 2010: Auf einem Vorposten der Bundeswehr-Kampftruppen in Baghlan wird gegen 21.30 Uhr Ortszeit ein Hauptgefreiter von einem Schuss aus der Pistole eines Kameraden am Kopf getroffen. Er wird mit einem Hubschrauber in das Feldlager Pul-i-Khumri gebracht. Dort stirbt er während einer Notoperation. Fünf Stunden nach dem Schuss veröffentlicht die Bundeswehr die erste Pressemitteilung dazu. Darin heißt es, dass «ein mit Schusswunde schwer verletzter deutscher Soldat» in einem Außenposten aufgefunden worden und im Feldlager während einer Notoperation verstorben sei.

18. Dezember: Nur wenige Stunden nach dem tödlichen Schuss treffen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Guttenberg zu einem Überraschungsbesuch in Nordafghanistan ein. Bei einer Trauerfeier spricht Merkel von einem «besonders tragischen Unglück». Guttenberg macht vor Journalisten deutlich, dass der Schuss aus der Waffe eines Kameraden kam.

Der Verteidigungsminister sichert dem Schützen Unterstützung zu: «Selbstverständlich ist es auch eine Herzensfrage, diesen Kameraden, von dem das Unglück ausging, und seine Familie aufzufangen», sagt er der dpa. Militärpfarrer Thomas Balogh sagt: «Es war kein Kampf, wo es einen klaren Bösen gibt - das könnten wir eher verarbeiten. Sondern der, der es tat, ist ja gerade nicht böse.»