Hamburg (dpa) - Draußen vor der Tür parkt ein Bus des Schauspiels Hannover - die Videoeinspielung zeigt ihn mit der Hamburger Aktrice Jana Schulz als Fahrerin.

«Kommen Sie zu uns, wenn das Schauspielhaus geschlossen werden sollte», ruft ein Abgesandter aus der niedersächsischen Landeshauptstadt dem Publikum im voll besetzten Deutschen Schauspielhaus in Hamburg zu. «Wir sind das Neue Deutsche Schauspielhaus und bieten den Shuttle-Service gleich dazu.» Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung standen am Samstagabend auf dem Programm, als das in die Krise geratene Theater der Hansestadt mit Freunden und Weggefährten seine vierstündige Solidaritätsgala «Kir Loyal» feierte.

Die meist jungen Zuschauer machten Party mit Papphütchen und Tröten, bejubelten Gäste wie Satiriker Martin Sonneborn, Schauspieler und Sänger Josef Bierbichler, Musiker Jan Plewka und Ärzte-Schlagzeuger Bela B.. In Smokings, die am Rücken zerrissen waren, führten die Studio-Braun-Mitglieder Rocko Schamoni und Jacques Palminger durch den bisweilen fetzig-dadaistischen Abend. Dabei ging es kämpferisch-politisch zu. «In die Kultur dieser Stadt muss investiert werden - die liegt schon viel zu lange brach», forderte Interims-Intendant Jack Kurfess.

Aufs Korn genommen wurde die umstrittene Kultur- und allgemeine Sparpolitik des Hamburger Senats. Zwar sind Schließungen etwa des Altonaer Museums oder der Jugendsparte des Schauspielhauses wieder vom Tisch, doch stehen endgültige Entscheidungen noch aus. An der großen staatlichen Bühne hatte Intendant Friedrich Schirmer im September das Handtuch geworfen. Dort haben sich seither die Verhältnisse entspannt: In den ersten vier Monaten der Spielzeit besuchten rund 118 000 Zuschauer die Vorstellungen - das beste Ergebnis seit 1993. «Das totgeglaubte Schauspielhaus hat sich zum Erfolgsmodell gemausert», hatte Kurfess die Zahlen kommentiert. Derzeit sucht die Kulturbehörde nach einem neuen Bühnenchef.

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