Moskau (dpa) - Schwerer Terroranschlag mit mindestens 35 Toten auf dem modernsten Moskauer Flughafen Domodedowo: Inmitten Hunderter Wartender sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft.

Bis zu 170 Menschen wurden dabei am Montag nach Behördenangaben verletzt, darunter nach russischen Medienberichten mindestens eine Deutsche. Vermutet wird, dass der Täter aus dem Konfliktgebiet im russischen Nordkaukasus kam. «Ich bringe Euch alle um», rief der mutmaßliche Islamist nach Augenzeugenberichten - bevor er seine mit Nägeln und anderen scharfkantigen Metallstücken gespickte Bombe zündete.

Die Detonation in der Ankunftshalle auf dem internationalen Teil des Airports traf Europas größte Stadt zur Hauptverkehrszeit. Unter den Todesopfern waren auch EU-Bürger, darunter zwei Briten. Bei der verletzten Deutschen handelt es sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa allem Anschein nach um eine Russlanddeutsche. Die Deutsche Botschaft in Moskau konnte die Angaben zunächst nicht bestätigen, auch dem Auswärtigen Amt lagen am Abend keine Erkenntnisse vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), US-Präsident Barack Obama und die Vereinten Nationen verurteilten den Anschlag.

In den vergangenen Jahren verübten wiederholt islamische Extremisten aus der Unruheregion, wo auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, Terrorakte in Moskau. Stunden nach dem Anschlag entdeckten Ermittler die Leiche des mutmaßlichen Attentäters, der als 30 bis 35 Jahre alter Mann mit «arabischem Aussehen» beschrieben wurde. Die Sicherheitskräfte suchten nach drei verdächtigen Männern.

Staatspräsident Dmitri Medwedew schaltete den Inlandsgeheimdienst FSB ein und ordnete im ganzen Land erhöhte Alarmbereitschaft an. Auf Flughäfen und Bahnhöfen gelte von sofort an eine erhöhte Sicherheitsstufe, sagte Medwedew am Montag im Staatsfernsehen. Regierungschef Wladimir Putin sicherte den Verletzten Hilfe und den Angehörigen der Opfer finanzielle Unterstützung zu. Wegen der Schwere der Verletzungen werde die Zahl der Toten vermutlich weiter steigen, sagte Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa. Der Gesundheitszustand von rund 40 Verletzten wurde als «schwer oder lebensbedrohlich» beschrieben.

Die Explosion, deren Wucht der Detonation von fünf bis zehn Kilogramm TNT entsprach, habe sich um 16.32 Uhr (14.32 Uhr MEZ) in der Ankunftshalle in der Nähe eines Cafés ereignet, meldeten russische Agenturen unter Berufung auf die Polizei. An dem Ort waren im Gegensatz zu anderen Bereichen des Flughafens vergleichsweise wenige Sicherheitskräfte im Einsatz.

Ermittler beschlagnahmten Videos von den Überwachungskameras, die die Explosion aufgezeichnet hatten. Nach Medienberichten soll der FSB schon seit einer Woche über Anschlagspläne informiert gewesen sein.