Kulmain (dpa) - Ob Schneetreiben oder Nebel - Gerd Schönfelder hat immer die Goldspur gefunden. Der 40 Jahre alte alpine Rennfahrer sammelte Titel wie andere Pins. Jetzt beendete er seine einzigartige Karriere und geht nun von der Piste in die Politik.

Nachdem er 2008 zum Gemeinderat von Kulmain gewählt wurde, rückte er im vergangenen Jahr für die CSU in den Kreistag des Landkreises Tirschenreuth. «Der Skisport war mein Lebensmittelpunkt. Nun werde ich neue Prioritäten setzen und mich vor allem meiner Familie widmen», sagte Schönfelder, der 2010 als erster deutscher Sportler den «Juan Antonio Samaranch IOC Disabled Award» verliehen bekam.

Nach 20 Jahren und insgesamt 30 Titeln bei Paralympics und WM ist nun Schluss. Bei der WM in Sestriere gewann er noch einmal in der Abfahrt und im Super G. «Der paralympische Alpinsport hat sich seit 1990 enorm entwickelt. Mittlerweile ist alles hoch professionell. Unser Trainings-, Reise- und Wettkampfeinsatz unterscheidet sich kaum noch von dem der Nichtbehinderten», sagte Schönfelder, der von seinen Freunden immer nur «G.S.» gerufen wird.

Der hohe Aufwand ließ kaum Zeit für Privates - und für die Familie. Mit seiner Frau Christina bekam Schönfelder im vergangenen Frühjahr das zweite Kind. «Meine Prioritäten haben sich nun Richtung Familie verschoben und ich bin sehr glücklich und dankbar auf eine so wundervolle Zeit mit vielen emotionalen Höhepunkten zurückblicken zu können.»

Spätestens nach den vier Goldmedaillen von Vancouver erfuhr die breite Öffentlichkeit vom erneuten Nachwuchs im Hause Schönfelder. «Meine Frau hat gesagt: Mensch, weißt du eigentlich, dass ganz Deutschland weiß, dass ich schwanger bin?», erinnerte sich der Ausnahme-Athlet, der unmittelbar nach seinem Schicksalsschlag 1989 nach vorne blickte und einen Neuanfang startete.

Damals - im Alter von 19 Jahren - wollte der gelernte Elektrotechniker von der Arbeit nach Hause fahren. Der Zug war schon angefahren, als Schönfelder versuchte, die Türen noch zu öffnen. Durch die Beschleunigung konnte er nicht mehr einsteigen und geriet unter dem Zug. Er verlor den rechten Arm und zwei Finger an der linken Hand. Nur ein Jahr später spielte er wieder Fußball und fuhr Ski. Schon 1991 gab er sein Debüt in der Paralympics-Mannschaft.

Danach ging es - wie für «G.S.» üblich - rasant schnell. 1992 in Albertville holte er auf Anhieb dreimal Paralympics-Gold und war seitdem nicht mehr zu stoppen. Der Präsident des Deutschen Behinderten-Sportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher, würdigte Schönfelder als den «König des Skisports: «Er ist nicht nur ein Aushängeschild unserer Paralympics-Spitzensportler, sondern weit darüber hinaus ein Vorbild für alle Sportlerinnen und Sportler, sowohl für nicht behinderte als auch für behinderte. Mit seinem Können und seiner Ausdauer hat er vorgelebt, wie Sport dazu beiträgt, mit Handicaps umzugehen.»