Wiesbaden/Berlin (dpa) - Fußball-WM und Niedrigpreisen zum Trotz: Im Bierland Deutschland haben immer weniger Menschen großen Durst auf den Gerstensaft. 2010 ist der Pro-Kopf-Verbrauch auf den historischen Tiefstand von 101,8 Litern gesunken, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag berichtete.

Auch der heiße Sommer konnte die Brauer nicht aus ihrer Dauerkrise retten. Nun drohen Preiserhöhungen. Des einen Leid ist des anderen Freud: Limonaden und Säfte werden als Durstlöscher immer beliebter. Im vergangenen Jahr tranken die Bundesbürger pro Kopf 118,2 Liter - damit ist der Verbrauch an alkoholfreien Erfrischungsgetränken im Vergleich zum Vorjahr (117 Liter) nochmal deutlich angestiegen. Wie die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke am Donnerstag mitteilte, ist auch die Vielfalt des Angebots rasant gewachsen. Es gebe viele neue kalorienfreie Getränke, Energydrinks oder Sportgetränke.

Die deutschen Brauereien setzten 2010 im Inland noch 83,4 Millionen Hektoliter (2009: 85,9 Mio) Bier und alkoholhaltige Mischgetränke ab, wie die Statistiker berichteten. Das entspricht einem überdurchschnittlichen Minus von 2,9 Prozent und ist so wenig wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung. 1991 hatte der Pro-Kopf-Verbrauch noch rund 40 Liter mehr pro Jahr betragen.

Lediglich der Export legte 2010 zu, und zwar kräftig um 5,9 Prozent auf 14,9 Millionen Hektoliter. Der Gesamtabsatz der Brauer betrug so 98,3 Millionen Hektoliter nach 100,0 Millionen im Jahr zuvor. Bierland Nummer Eins in Deutschland bleibt Nordrhein- Westfalen, wo fast jeder vierte Liter (24,7 Prozent) des Gesamtabsatzes verkauft wurde vor Bayern mit 21,9 Prozent. Den stärksten Anteil an der Ausfuhr mit 31,1 Prozent hatte das Gebiet Niedersachsen/Bremen mit der exportorientierten Beck's-Brauerei.

Auf dem inländischen Markt gehörten die Bremer nach einer Auswertung des Fachmagazins Inside mit einem Absatzminus von 9,4 Prozent wie auch die Marke Hasseröder (-10,7 Prozent) zu den großen Verlierern. Auch Oettinger verlor 3,8 Prozent, während Veltins vor allem mit Pils und Mixgetränken um 4,8 Prozent zulegen konnte. Insgesamt machen die Mischungen nur rund vier Prozent des Absatzes aus und mussten 2010 ebenfalls Verluste von 2,7 Prozent hinnehmen.

Der Deutsche Brauerbund nannte neben der demografischen Entwicklung vor allem das ungünstige Wetter als wichtigen Grund für den Rückgang. Die heißen Sommermonate Juni/Juli hätten die Kälte zu Jahresbeginn und dauerhafte Regenfälle in der zweiten Jahreshälfte nicht kompensieren können. Man können daher nur von einem sehr kurzen Sommermärchen sprechen. Für dieses Jahr hoffe man auf einen positiven Verlauf der Fußballweltmeisterschaft der Frauen im eigenen Land.

Insgesamt stehe die Branche wegen des Preiswettkampfs des Handels und der gleichzeitig steigenden Kosten für Rohstoffe, Löhne, Energie und Transport unter Druck, erklärte Brauerbund-Hauptgeschäftsführer Peter Hahn. Einige Brauereien könnten sich so zu Preiserhöhungen gezwungen sehen, kündigte er an.