London (dpa) - Erstmals seit Jahren hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Japans herabgestuft - Grund ist die hohe Staatsverschuldung.

Nach zuvor «AA» sei die neue Bewertung um eine Note auf «AA-» gesenkt worden, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von S&P. Als Reaktion fiel der Yen zum Dollar deutlich. Die Ratingagentur erwartet in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg der japanischen Staatsverschuldung. Im Gegensatz zu Japan hat Deutschland die Bestnote AAA («Triple A»).

Japan hat mit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die höchste Staatsverschuldung unter den Industriestaaten. Fast der halbe Haushalt wird durch Neuverschuldung finanziert. Allerdings stemmt die ostasiatische Wirtschaftsmacht ihre Schulden fast vollständig im eigenen Land.

Der japanische Regierungschef Naoto Kan hat erst kürzlich sein Kabinett umgebildet, um die staatliche Finanzmisere anzugehen. Angesichts der rasant alternden Gesellschaft Japans sollen die sozialen Sicherungssysteme reformiert werden.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten. Je schlechter sie die Bonität beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es, sich Geld zu besorgen. Für ihre Einstufungen verwenden Ratingagenturen Buchstabencodes sowie für die Feineinstufung Plus- und Minus-Zeichen. Deutschland hat wegen seines hervorragenden Ruf als Schuldner die Topbewertung AAA.

Mit der Senkung der Bonität Japans steigt nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Wolfgang Leim der Handlungsdruck auf die großen Parteien des Landes. Die Herabstufung sollte zum Weckruf an die großen Parteien werden, ihre Grabenkämpfe zu überwinden und sich zu nachhaltigen Entscheidungen zusammenzuraufen. Im Fokus stehe dabei die Erhöhung der Mehrwertsteuer. An einer nachhaltigen Konsolidierung führe mittelfristig kein Weg vorbei, erklärte der Experte.

Grund für die Herabstufung durch S&P ist die Erwartung, dass die Haushaltsdefizite des Landes in den nächsten Jahren noch hoch bleiben werden. Der Schuldenstand von derzeit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dürfte zunächst noch weiter steigen. Den langfristigen Ausblick für das Rating stufte S&P allerdings wegen der soliden außenwirtschaftlichen Position und der geldpolitischen Flexibilität als stabil ein.