Cottbus (dpa) - Für Ryan Babel ist Cottbus schon ein Alptraum, Bayern-Torjäger Thomas Müller möchte sich ein Gastspiel in der Lausitz lieber ersparen. «Auf Schalke oder in Cottbus zu spielen, wäre nicht ganz so einfach», äußerte WM-Torschützenkönig Müller zum möglichen Halbfinal-Gegner im DFB-Pokal.

Der sensationelle 1:0 (0:0)-Sieg im Viertelfinale des FC Energie gegen den nach heftigen Winter-Querelen angeschlagenen Bundesligisten 1899 Hoffenheim hat dem kleinen Club im äußersten Osten des Landes wieder den Respekt der Konkurrenz eingebracht. Babels quasi direkter Weg von der Liverpooler Anfield Road ins Stadion der Freundschaft endete kommentarlos und nur mit einem Kopfschütteln des TSG-Zugangs.

Euphorie allerdings hat die Leitung des einstigen Erstliga-Underdogs Energie verboten. «1997 sind wir mit den Pokalspielen deutschlandweit bekanntgeworden. Das war damals wichtiger», sagte Präsident Ulrich Lepsch, der gemeinsam mit Trainer Claus-Dieter Wollitz jetzt dafür sorgt, dass der Club inzwischen sogar wieder an die Aufstiegstür klopft. Und so stufte auch «Pele» Wollitz nach einer spektakulären Jubel-Pyramide den Halbfinal-Einzug keineswegs als größten Coup seiner bisherigen eineinhalb Jahre in Cottbus ein: «Viel höher ist zu bewerten, wie wir hier den Umbruch hinbekommen haben.»

Für Wollitz war die Abkehr vom einst selbst ernannten «Fight Club» mit vielen osteuropäischen Profis hin zu einer jungen, offensiven und spielintelligenten Mannschaft von Beginn an das Credo. «Auch wir arbeiten unter Profi-Bedingungen und haben wissenschaftliche Methoden in Cottbus», betonte Wollitz, der seinen durchaus erfolgreichen Stil in der Region Niederlausitz aber nicht genug gewürdigt sieht. «Alles neu und erfolgreich - das gibt es doch gar nicht», beschrieb der Trainer seine gefühlte Skepsis in der Anhänger-Schar des FC Energie.

Nur 15 220 Fans in einem Pokal-Viertelfinale bewertet Wollitz auch als ein Stück fehlender Wertschätzung gegenüber sich und seinen Spielern, «die mit aller Leidenschaft für den Verein spielen». Dass in Cottbus inzwischen weniger als 100 000 Menschen leben und die krisengebeutelte Lausitz ein Abwanderungsgebiet ist, berücksichtigt der Trainer dabei allerdings nicht. Im Winter hatte er bis zu seiner Vertragsverlängerung wegen Irritationen mit dem «Umfeld» sogar seinen Abschied in Erwägung gezogen. Eine Liebes-Beziehung zu seiner Wahlheimat wird es wohl nicht mehr. «Ab morgen bin ich wieder bodenständig, aber nicht euphorisch. Das würde nicht in diese Region passen», sagte Wollitz.

Sechsmal hat Energie zuletzt gegen Bundesligisten gewonnen - dreimal bei Tests, dreimal im Pokal. «Wir spielen besser gegen einen Erstligisten, da können wir Fußball spielen. In der 2. Liga ist es doch mehr kämpfen», kennzeichnete Energies Niederländer Jules Reimerink die Ausrichtung seines Teams, das nun natürlich Anfang März den zweiten Endspiel-Einzug nach 1997 perfekt machen möchte. Gegen Hoffenheim bereitete der U 21-Spieler der «Oranjes» nicht nur sensationell das 1:0-Siegtor des Chinesen Jiayi Shao vor, er ließ sich auch von seinem wesentlich prominenteren und teureren Landsmann Babel (sieben Millionen Euro Ablöse) nicht beeindrucken.

Der 24-Jährige Babel ist bei Hoffenheim nach drei sieglosen Spielen in der Rückrunde nun der Hoffnungsträger Nummer eins. «Er hatte schon gute Ballpassagen und 1:1-Situationen», kommentierte Trainer Marco Pezzaiuoli das Blitz-Debüt des Niederländers. Nach der Cottbus-Pleite verwies der 1899-Coach auf eine «Findungsphase» seines Teams nach den bedeutenden personellen Veränderungen. «Eine gute Präsentation» hatte er zumindest in Hälfte zwei schon bei Energie gesehen - ein Maßstab aber dürfte das für Hoffenheim kaum sein.