Berlin (dpa) - Der mutmaßliche Mörder von Mirco aus Grefrath war nach außen hin wohl ein ganz normaler Familienvater. Wie kann es sein, dass ein Mensch, der selbst Kinder hat, ein anderes Kind tötet?

Solche Menschen seien - unabhängig vom aktuellen Fall - oft wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde, sagte der Psychotherapeut Christian Lüdke im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Lüdke ist nach eigenen Angaben psychologischer Ausbilder von Polizei-Spezialeinheiten und beschäftigt sich besonders mit der Psychologie von Tätern.

Wie kann ein Mann, der selbst Kinder hat, anderen Kindern so etwas antun?

Lüdke: «Solche Menschen führen ein Doppelleben. Sie sind wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Nach außen sind sie angepasst und können liebevoll mit ihren eigenen Kindern umgehen. Im Inneren fühlen sie sich wie die absoluten Versager - familiär, beruflich und sexuell, und sie werden geleitet von extremen Machtwünschen. Weil sie das aber im Alltag nicht umsetzen können, müssen sie das über so eine Gewalttat machen. Also suchen sie sich die schwächsten Opfer - die Kinder - bei denen sie dann dieses sehr starke Machtgefühl erleben können.»

Meistens geht dem Mord ein sexueller Missbrauch voraus. Schon das ist schlimm genug, aber warum muss ein Täter dann das Kind auch noch töten?

Lüdke: «Das Töten des Kindes ist für solche Menschen eine sehr primitive Form der Konfliktbewältigung. Das Kind ist nur Mittel zum Zweck, um wieder einen Rauschzustand zu erleben. In dem Tatplan ist von vornherein klar, dass das Kind sterben muss.»

Gibt es eine Möglichkeit an Aussehen und Verhaltensweisen zu erkennen, ob ein Mensch unter der Oberfläche solch eine tickende Zeitbombe ist?