Paris (dpa) - Die Doping-Affäre Alberto Contador macht den Glanz der Tour de France noch matter. Der 28-jährige Sieger von 2010, der bis zum 8. Februar bei seinem Landesverband gegen die drohende Einjahressperre Einspruch einlegen kann, verließ das Trainingslager auf Mallorca.

«Ich will jetzt bei meiner Familie sein», verkündete der Spanier, der jetzt für das Saxo-Bank-Sunguard-Teams fährt. Dem dreifachen Tour-Sieger Contador droht jedoch das gleiche Schicksal wie dem US-Profi Floyd Landis, der 2006 als erster Gesamtsieger der Tour-Geschichte nach seiner Doping-Entlarvung disqualifiziert worden war. Seit Tour- Direktor Christian Prudhomme 2005 seinen Dienst angetreten hat, verlief nur die Ausgabe 2009 ohne öffentlich bekanntgewordene Doping-Irritationen.

2007 verließ nach dem Dopingfall Winokurow die gesamte Astana- Mannschaft die Frankreich-Rundfahrt, und der Däne Michael Rasmussen wurde von seinem Team im Gelben Trikot nach Hause geschickt. 2008 verlor der Österreicher Bernhard Kohl nach seinem Doping-Geständnis den dritten Platz und das Bergtrikot. Was von den Tour-Siegen Lance Armstrongs zwischen 1999 und 2005 zu halten ist, wird womöglich eine bevorstehende Anklage gegen den Rekordsieger in den USA klären.

«Wenn Contador seine Unschuld nicht beweisen kann, wird ihn der Weltverband disqualifizieren», sagte Prudhomme belgischen Medien, der dem Spanier damit das Landis-Schicksal prophezeite. «Um die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, müssen wir kämpfen. Wir zahlen einen hohen Preis», erklärte der französische Ex-Journalist.

Juan Carlos Castano, der Präsident des spanischen Radsport- Verbandes, der Contador vorläufig für ein Jahr aus dem Verkehr ziehen will, warnte seinen Landsmann, gegen die bevorstehende Sperre vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen. Das hatte Contador angekündigt, der seine Unschuld beteuert und sich als Musterbeispiel eines sauberen Sportlers bezeichnete.

Der Gang in diese nächste Instanz «könnte alles noch schlimmer machen», vermutete Castano im spanischen TV und meinte damit die drohende Verdoppelung der Strafe, wie vom Reglement eigentlich vorgesehen. Ein zweijähriges Fahrverbot wegen Clenbuterol-Dopings kassierte im vergangenen Jahr der chinesische Radprofi Li Fuyu aus der Armstrong-Mannschaft RadioShack im Handumdrehen. «Das war ein kleiner Fisch - da ging es mit der Bestrafung im Gegensatz zu Contador ratzfatz», meinte der Berliner Profi Jens Voigt, im Vorjahr noch bei Contadors jetzigem Arbeitgeber Bjarne Riis unter Vertrag und in dieser Saison ins Leopard-Team von Andy Schleck gewechselt.

Der zierliche Luxemburger, im Juli von Contador nur um 39 Sekunden auf den zweiten Platz verwiesen, würde die Stelle des Madrilenen einnehmen, wenn diesem der Tour-Sieg 2010 aberkannt werden wird. Ohne den Spanier als Hauptkonkurrenten wird Schleck von vielen schon als der nächste Gewinner hofiert. «Alle behandeln ihn schon wie den kommenden Champion», erzählte Voigt, der darin sportlich eine Gefahr sieht. «Das kann gefährlich werden, wenn alle denken, wir brauchen uns im Juli das Gelbe Trikot nur noch abzuholen.» Der 39-jährige Routinier aus Berlin steht vor seiner 13. Tour-Teilnahme.