Chamonix (dpa) - Abfahrtssieger Didier Cuche und Ivica Kostelic als Kombi-Gewinner zeigen bestechende WM-Form, neun Tage vor den Titelkämpfen rückte im alpinen Ski-Weltcup aber die Sicherheitsfrage wieder in den Mittelpunkt.

Alleine vier Skirennfahrer beendeten in Chamonix ihr Wochenende nach teils schweren Stürzen im Krankenhaus. «Es ist Wahnsinn», fasste Kostelic die jüngste Unfallserie zusammen. Mit dem siebten Erfolg des Monats baute der Kroate seine Führung im Gesamtweltcup auf 475 Punkte vor Silvan Zurbriggen aus der Schweiz aus. Für das beste deutsche Resultat sorgte Tobias Stechert mit einem 26. Platz in der Abfahrt.

Der Oberstdorfer und sein Teamkollege Andreas Sander, der auf Rang 30 in der Schussfahrt einen 32. Kombinations-Platz folgen ließ, biegen zumindest gesund auf die Zielgerade nach Garmisch- Partenkirchen. Für Manuel Osborne-Paradis aus Kanada ist die Saison vor dem kommenden Weltcup-Wochenende in Hinterstoder mit einem Kreuzbandriss ebenso vorbei wie für den Österreicher Georg Streitberger, der sich einen Schienbeinkopf brach.

Beim zweiten überlegenen Abfahrtscoup von Kitzbühel-Triumphator Cuche, hinter dem Dominik Paris aus Italien Überraschungszweiter wurde, freuten sich beide deutschen Fahrer über Weltcup-Punkte. Eine kurze Unaufmerksamkeit im Slalom kostete Sander dann eine bessere Kombinations-Platzierung. «Mit dem Wochenende bin ich ganz zufrieden, aber nicht mit der Kombi-Abfahrt. Da kann ich mehr», sagte der Ennepetaler, der tags zuvor in der Schussfahrt das zweite Mal in seiner Karriere unter die besten 30 fuhr. «Zu viel darf ich von mir selbst noch nicht erwarten». Stechert will nach einem Kreuzbandriss mit Blick auf die WM noch den «letzten Mut finden». «Im Hinterkopf spukt es immer noch ein bisschen rum.»

Auch die Topathleten tun sich schwer damit, den Sturzreigen der vergangenen Wochen zu verdrängen. «Es ist verflixt. Die Leute haben das im Kopf», sagte Michael Walchhofer, «es sind die negativen Ereignisse, weshalb so eine Serie zustande kommt.» Teamkollege Streitberger muss als Führender der Super-G-Wertung seinen Traum von der kleinen Kristallkugel beenden und sollte noch am Sonntag operiert werden. «Das ist natürlich doppelt und dreifach bitter», kommentierte er das WM-Aus. Wie Streitberger stürzte auch Osborne-Paradis, der sich zudem das linke Wadenbein brach, bei diffusen Lichtverhältnissen auf der «La Verte».

Nachdem ihre Trainingsfahrten im Krankenhaus endeten, mussten zuvor bereits Ryan Semple aus Kanada (Bänderverletzung im Knie) und der Österreicher Mario Scheiber (Schlüsselbeinbruch) die WM abhaken. «Unglaublich, da fehlen einem die Worte», kommentierte der österreichische Herren-Cheftrainer Mathias Berthold die Misere seines Teams. Insgesamt haben sich diese Saison mehr als zehn Speedfahrer - darunter die Deutschen Stephan Keppler und Andreas Strodl - so schwer verletzt, dass sie nicht um Medaillen kämpfen können.

Zumindest von der Intensivstation des Innsbrucker Krankenhauses erreichen die Ski-Welt derzeit gute Nachrichten. Die Aufwachphase des seit mehr als einer Woche im künstlichen Tiefschlaf liegenden Hans Grugger verläuft weiter «gut». Der 29-Jährige, der in Kitzbühel schwer verunglückt war, wird zunehmend wacher.