Berlin/Kairo (dpa) - Urlaub machen im Chaosland Ägypten - geht das noch? Ja, meint der Deutsche Reiseverband. In den Urlaubsparadiesen am Roten Meer - in Scharm el Scheich, Hurghada oder Marsa Alam - habe es bisher keine Demonstrationen oder Auseinandersetzungen gegeben.

Laut Auswärtigem Amt verläuft der Flugverkehr von dort derzeit normal. Dichtes Gedränge herrscht dagegen auf dem Airport von Kairo.

Der Deutsche Reiseverband verspricht: Sollte es noch schlimmer kommen in Ägypten, könne man die deutschen Kunden von Reiseveranstaltern schnell heimfliegen. «Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Flugzeuge», versichert Sprecher Torsten Schäfer. Schlimmstenfalls werde alles in Bewegung gesetzt.

Das Auswärtige Amt verschärfte am Sonntagnachmittag die Sicherheitshinweise noch einmal: Jeder Reisende solle sorgfältig prüfen, «ob er seine Reise nach Ägypten unter den gegenwärtigen Umständen antreten will». Die großen Veranstalter bieten kostenlose Umbuchungen an.

Deutlich schwieriger als für Kunden von Reiseveranstaltern ist es derzeit für Individualreisende: Zwei Flüge vom Frankfurter Flughafen in die von Unruhen erschütterte Hauptstadt Kairo wurden am Sonntag gestrichen. Betroffen war jeweils ein Flug von Lufthansa und Egypt Air - auch die Rückflüge aus Ägypten fielen damit aus. Ein Lufthansa- Flug von Kairo nach München wurde für den Abend erwartet.

Auf dem Flughafen in Kairo berichtete ein Augenzeuge von einem «fürchterlichen Gedränge» auf dem Airport. Es warteten vor allem viele US-Bürger, Türken und Italiener auf ihren Abflug; sie waren vor Chaos und Plünderern auf den Airport geflüchtet. Ein Mitarbeiter der Flughafenverwaltung sagte im ägyptischen Fernsehen, der Airport versuche, einen normalen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Eine genauen Überblick über die Zahl der auf dem Flughafen wartenden Deutschen hatte am Sonntag niemand. Viele Deutsche machten sich am Sonntag aus Außenbezirken Kairos auf den Weg in Richtung des Stadtteils Zamalek, der als Insel im Nil liegt und deswegen von der ägyptischen Armee besser geschützt werden könnte. Dort liegen auch zahlreiche Botschaften und ausländische Stiftungen. Vor Beginn der Proteste lebten etwa 5000 bis 7000 deutsche Staatsbürger im Großraum Kairo.