Stuttgart (dpa) - Serdar Tasci lag noch lange nach dem Abpfiff regungslos auf dem Rasen. Martin Harnik hätte sich am liebsten neben ihm eingegraben. Das 0:1 (0:1) gegen den SC Freiburg hat beim VfB Stuttgart eine Stimmung zwischen Niedergeschlagenheit und Entsetzen ausgelöst.

Diese Derby-Niederlage war im Kampf um den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga ein empfindlicher Rückschlag. Der VfB verpasste die Gelegenheit, die Abstiegsplätze zu verlassen, und er hat die erste Aufbruchstimmung nach dem guten Rückrundenstart erst einmal wieder zerstört. Johannes Flum erzielte in der 24. Minute das Siegtor für die taktisch besseren Freiburger. Harnik vergab kurz vor Schluss die große Ausgleichs-Chance, als er aus vier Metern am leeren Tor vorbeischoss.

«Dieser Tag war nicht schön für den VfB», sagte Trainer Bruno Labbadia. «Wir dürfen uns jetzt kurz auf den Boden legen, müssen dann aber wieder aufstehen und Gas geben.» Kurzfristige Verstärkungen schloss Sportdirektor Fredi Bobic einen Tag vor der Schließung der Transferliste aber aus. «Es gibt keine Neuzugänge mehr», sagte er.

SC-Coach Robin Dutt freute sich über den ersten Freiburger Sieg in Stuttgart seit fast 17 Jahren, räumte aber auch ein: «In der zweiten Halbzeit haben wir sehr, sehr viel Glück gehabt.» Er empfahl dem VfB, im Abstiegskampf die Ruhe zu bewahren, und meinte: «Ich hoffe, dass es dieses Derby auch im nächsten Jahr gibt.»

Dutt hatte gut reden, die Breisgauer bewegen sich weiter in den Europa-League-Regionen der Tabelle und stellten die neue, ungewohnte Hierarchie im «Ländle» zumindest eine Halbzeit lang eindrucksvoll unter Beweis. 45 Minuten lang beherrschte der SC den vermeintlich großen Nachbarn, störte ihn früh und ließ ihn nicht ins Spiel kommen. Erst nach der Pause dominierte der VfB, blieb aber bei aller Überlegenheit auch hier zu fehlerhaft und ideenlos.

Zweimal hätte Stuttgart den Ausgleich erzielen können: Bei den Großchancen von Harnik (86.) und Sven Schipplock (75.). Dazu verweigerte Schiedsrichter Jochen Drees den Stuttgartern bei einem Handspiel von Heiko Butscher (82.) einen Elfmeter, wie er nach Meinung von Labbadia «klarer nicht hätte sein können». Selbst der Freiburger Verteidiger meinte: «Den hätte man geben können.»

So werden die Stuttgarter in den nächsten Tagen einiges zu tun haben, um die angeschlagene Stimmung und das angeknackste Selbstvertrauen zu reparieren. «In Gladbach müssen wir jetzt gewinnen. Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel», meinte Harnik.