Berlin (dpa) - Mehr Glanz, mehr Risiko - beim Silberpfeil für die kommende Formel-1-Saison setzt Mercedes auch auf mehr Mut. «Wir wussten schnell, was am 2010er Auto falsch war und haben all diese Dinge maßgeblich verbessert», wurde Michael Schumacher von der «Bild am Sonntag» zitiert.

«Letztes Jahr musste ich einige spannende Vorschläge meiner Ingenieure ablehnen. Beim neuen Auto soll das anders aussehen», kündigte Teamchef Ross Brawn verheißungsvoll an und prophezeite Ideen, die «vielleicht erst mal etwas schräg aussehen».

Grade kommt die neue Nase des MGP W02 daher, allerdings trägt er sie deutlich höher als sein Vorgängermodell, das manchmal höchstens zum Naserümpfen war. Am Sonntag entschieden sich die Schwaben, per Pressemitteilung bereits ganz offiziell einen ersten Blick auf den neuen Wagen zu gewähren. In der gern geheimnisvollen Formel-1-Welt ein eher ungewöhnlicher Schritt - wenngleich zuvor die «Bild am Sonntag» bereits über den MGP W02 samt digital animierter Darstellung berichtet hatte.

Im Inneren des Autos, mit dem Schumacher und sein rund 17 Jahre jüngerer Teamkollege Nico Rosberg endlich den ersehnten ersten Mercedes-GP-Sieg einfahren wollen, setzt das Team vor allem auf das Energierückgewinnungssystem KERS. «Es wird ein großer Schritt», meinte Brawn.

In der Saison 2009 war dem damaligen Mercedes-Premium-Partner McLaren mit dem Hybridantrieb der Schwaben der erste KERS-Sieg in der Königsklasse gelungen. 2010 wurde das System, bei dem beim Bremsen Energie gewonnen wird, die dann auf Knopfdruck wieder entladen werden kann, aus den Rennwagen verbannt.

Am Dienstag soll der neue Silberpfeil ohne großes Ballyhoo der Öffentlichkeit eigentlich erst vorgestellt werden, ein paar Minuten nach dem neuen Red-Bull-Auto von Weltmeister Sebastian Vettel. Am 13. März beginnt die neue Saison mit dem Großen Preis von Bahrain. Es wird Schumachers zweites Jahr in seiner zweiten Formel-1-Karriere. Und es soll erfolgreicher werden als das erste.

«Ein siebenmaliger Weltmeister tritt an, weil er den Titel holen will», sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in einem Interview der «Welt am Sonntag» über den 42 Jahre alten Rekordchampion. Dessen 91 Grand-Prix-Siege warten auf eine Fortsetzung. 2010 reichte es mit dem Auto aber nicht mal fürs Podest. Mit dem damaligen Silberpfeil, dessen matte Lackierung manchem im Nachhinein wie ein schlechtes Omen vorgekommen sein muss, kam Schumacher einfach nicht auf Touren. Und mit ihm auch Mercedes nicht. Von einem Schicksals-Jahr 2011 will Haug nun aber nichts wissen: «Nein, wir werden langfristig dabei bleiben.»