Berlin (dpa) - Bis zu 150 000 Tonnen Futter mit krebserregendem Dioxin haben in Deutschland Unmengen von Schweinefleisch und Geflügelprodukten verseucht. Gegen die Herstellerfirma Harles und Jentzsch sowie ein weiteres Unternehmen ermitteln Staatsanwälte.

Fahnder durchsuchten am Mittwoch die Betriebe nach Beweisen für Straftaten. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bezweifelt, dass das Dioxin durch einen Fehler beigemischt wurde, wie das Unternehmen behauptet.

Weiter unklar ist, woher das Dioxin in dem Zusatzfett stammt. Die Länder, die für Lebensmittelkontrollen zuständig sind, suchten fieberhaft nach verdächtigen Produkten auf Höfen und in Geschäften. Das ganze Ausmaß des Skandals ist weiter nicht abzusehen.

Die Verbraucher reagieren mit Vorsicht und meiden im Supermarkt Eier und Geflügelprodukte. Der Einzelhandel sieht noch keinen Grund für eine groß angelegte Rückrufaktion. Mehr als 1000 landwirtschaftliche Betriebe sind inzwischen gesperrt.

Bei rund 240 000 in Bayern sichergestellten Eiern hat sich der Verdacht auf Dioxin bestätigt. Wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen am Mittwoch berichtete, liegt der bei Proben festgestellte Dioxingehalt teilweise dreimal so hoch wie der zulässige Grenzwert. Die Eier dürften daher nicht verkauft werden. Ein Oberpfälzer Großhändler hatte die Eier von einem Betrieb in Niedersachsen erhalten. Der Verbleib von weiteren 22 000 Eiern war zunächst noch nicht geklärt.

Das Landwirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein erließ ein sofortiges Schlachtverbot für Schweinemastbetriebe. 51 Agrarbetriebe und 8 landwirtschaftliche Genossenschaften im Norden hatten über einen Hamburger Händler dioxinbelastetes Futter bezogen.

Ein Hamburger Hersteller belieferte fast 140 Kunden in Norddeutschland mit Futtermitteln, die Spuren von Dioxin enthalten haben. Im einzelnen waren es sechs Abnehmer in Mecklenburg- Vorpommern, 74 in Niedersachsen und 59 in Schleswig-Holstein.