Oberhof (dpa) - Traumstart für Deutschlands Biathleten in Oberhof: Nach fünf Jahren Flaute gewannen die deutschen Männer wieder eine Staffel. Michael Greis sicherte vor 16 000 begeisterten Zuschauern den Sieg.

Greis klatschte schon auf der Schlussrunde die ersten Betreuer ab, schnappte sich dann die Deutschland-Fahne und fiel im Ziel seinen Teamkollegen jubelnd in die Arme. Mit dem ersten Staffelsieg seit den Olympischen Winterspielen 2006 haben die deutschen Biathlon-Männer für einen Traumstart beim Heim-Weltcup in Oberhof gesorgt. In der Besetzung Christoph Stephan, Alexander Wolf, Arnd Peiffer und Greis beendete das deutsche Quartett eine fünfjährige Flaute und verwandelte die DKB-Skiarena am Grenzadler trotz zweistelliger Minusgrade in einen Hexenkessel.

«Oh, wie ist das schön», klang es minutenlang durch das Stadion. Die DSV-Skijäger siegten in 1:23:31 Stunden vor Tschechien (+2:22,8 Minuten) und Norwegen (+2:24,0). «Wichtig war, dass ich am Ende ohne Strafrunde geblieben bin, danach musste ich nicht mehr Vollgas gehen», sagte Greis im Ziel überglücklich. «Das war die richtige Antwort an alle Kritiker, die schon nicht mehr an uns geglaubt haben. Die Jungs haben eine tolle Leistung geboten», lobte Disziplin-Trainer Mark Kirchner.

Die deutschen Skijäger ließen sich auch von böigen Winden und zahlreichen Fehlschüssen besonders beim Liegend-Schießen nicht beirren. Startläufer Stephan erlebte auf seinen 7,5 Kilometern ein Wechselbad der Gefühle. Der Lokalmatador verpatzte das Liegend-Schießen komplett und musste nach vier Fehlschüssen in die Strafrunde. Doch der 24-Jährige ließ sich nicht unterkriegen. Mit einem rotzfrechen Schießen am Stehend-Anschlag schob sich Stephan, der als 21. an den Schießstand gekommen war, an allen Konkurrenten vorbei und übergab als Führender an Wolf.

«So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe noch nie eine Staffel vergeigt, aber nach dem Liegend-Schießen habe ich gedacht: Jetzt ist es so weit», sagte Stephan. Auch Wolf zeigte im ersten Schießen Schwächen und musste wie Stephan eine Extra-Runde einlegen. Doch mit großem Kämpferherz machte der 33-Jährige wie Stephan seine Fehler wieder gut und blieb bei seiner zweiten Performance im Stadion ebenfalls fehlerfrei. «Wahnsinn, dass ausgerechnet die beiden Oberhofer das gleiche Rennen machen», sagte Wolf.

Als erstem Deutschen blieb dann Arnd Peiffer eine Strafrunde erspart. Mit eisernen Nerven brachte der 23-Jährige beide Male seine Nachlader ins Ziel und übergab mit einem Vorsprung von 1:49,7 Minuten vor Italien an Greis, der bereits in Turin als Schlussläufer den Sieg unter Dach und Fach gebracht hatte. «Ich hatte schon vor dem Rennen ein Wechselbad der Gefühle und bin froh, dass ich das Ergebnis halten konnte», sagte Peiffer.

Greis wackelte zwar ebenfalls beim Liegend-Schießen und benötigte alle drei Nachlader. Doch mit all seiner Routine verhinderte der Nesselwanger eine Strafrunde. Nachdem der dreifache Olympiasieger auch im Stehend-Anschlag einige Wackler überstanden hatte, konnte er die Schlussrunde in vollen Zügen genießen.