Klobenstein (dpa) - Zank und Stunk eskalieren, der Tiefpunkt ist erreicht: Die deutschen Eisschnellläufer haben auf der Freiluftbahn in Klobenstein das schlechteste Ergebnis seit 32 Jahren bei Europameisterschaften eingefahren.

Wie im Vorjahr verpassten die Deutschen einen Platz im Finale der besten 12 und durften sich nur damit trösten, dass Robert Lehmann auf Platz 15 gerade noch so das einzige Ticket zur Mehrkampf-WM in Calgary erkämpfte. 1979 war der Berliner Andreas Ehrig in Deventer als 15. eingekommen.

Am Tag nach der «Katastrophe» - so Cheftrainer Markus Eicher - ging der Coach auf die Männer zu und versuchte mit einer Entschuldigung bei Tobias Schneider den eskalierenden Streit zu schlichten. «Ich hätte die verhängten Geldstrafen nicht öffentlich machen dürfen. Aber ich bin wegen der vielen Querelen im Team sehr dünnhäutig geworden», meinte der Inzeller am Sonntag.

Schneider, der nicht, wie vom Verband gefordert, seine Trainingsdaten dokumentiert hatte, hatte zuvor eingeräumt, eine «schmerzliche Geldstrafe» gezahlt zu haben. Der Berliner, der mit Platz 21 total enttäuschte, hatte Eicher wegen dessen Plädoyer für einen künftig härteren Kurs heftig kritisiert und vor allem Eichers Formulierung über eine Rückkehr zu «einer gewissen Diktatur» gebrandmarkt. Wenn das die neue Linie sei, «ist das erschreckend», so Schneider, der von einer «äußerst bescheidenen EM» sprach.

Auch Lehmann hatte ihm zugestimmt. «An der Dokumentation liegt es bestimmt nicht, dass wir null Leistung bringen», meinte der Erfurter, der am Sonntag in Südtirol seinen 27. Geburtstag feierte. «Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen», sagte er. Der Thüringer gab aber auch Eicher recht, der kritisiert hatte, dass es sich einige Sportler unter Trainer Bart Schouten «zu bequem eingerichtet» hätten.

«Jetzt gilt es, das Schiff wieder halbwegs auf Kurs zu bringen. Deshalb werden wir Trainer an unserer Ansage festhalten und Veränderungen durchsetzen. Das müssen die Athleten akzeptieren», sagte Eicher. Vorwärts könne es nur gehen, wenn wieder gegenseitiges Vertrauen wachse. Er könne aber nicht «für Ergebnisse den Kopf hinhalten, wenn nicht nach seinen Konzepten trainiert werde», fügte er hinzu. Zweifel sind berechtigt, ob es dem Inzeller gelingt, jene Athleten, die seinem Vorgänger Bart Schouten voll vertraut hatten, aber nie Top-Ergebnisse erzielten, wieder auf Kurs zu bringen.