Barcelona (dpa) - Vor einem Jahr war die Stimmung in der Mobilfunk-Branche noch getrübt: Die Wirtschaftskrise ließ 2009 den Handy-Absatz erstmals sinken. Doch diesmal sorgt der Smartphone-Boom beim Mobile World Congress in Barcelona wieder für Goldgräber-Stimmung.

Der Vormarsch der Smartphones beherrscht ab Montag den wichtigsten Treff der Mobilfunk-Industrie, den Mobile World Congress in Barcelona. Die erste Neuheit wurde schon Sonntagabend gezeigt: Sony Ericsson demonstrierte sein «Playstation-Handy». Das Modell «Xperia Play» hat statt einer ausziehbaren Tastatur die Bedienelemente der Playstation-Konsole. Das Gerät soll im März weltweit in den Handel kommen.

Mit dem Experia Play antwortet das Unternehmen auf die rasant wachsende Konkurrenz durch Smartphones für mobile Spielekonsolen wie Playstation Portable oder Nintendo DS. Inzwischen gibt es kaum ein Mobiltelefon mehr, das nicht auch Spiele im Angebot hat.

Vor allem krempelt die Ausbreitung der Computer-Telefone aber die Mobilfunk-Branche um: Die Netzbetreiber verlieren an Einfluss und auch die Ranglisten der Handy-Hersteller werden durchgewirbelt. So stieg Apple im vergangenen Jahr mit seinem iPhone erstmals in die Top 5 auf, Nokia verliert rapide Marktanteile und kündigte am Freitag eine Allianz mit Microsoft an, um die Talfahrt zu stoppen.

Nokia-Chef Stephen Elop verteidigte am Sonntagabend in Barcelona ausdrücklich die neue Partnerschaft. Hätte sich Nokia als weltgrößter Handy-Hersteller für Googles Android-Plattform entschieden, wäre die Folge ein «Duopol» aus Apple und Google auf dem Mobilfunk-Markt gewesen, sagte er. «Das hätte den ganzen Markt in Richtung Google gekippt.»

In Medienberichten war zuvor spekuliert worden, Microsoft und Rivale Google hätten sich einen regelrechten Bieterwettstreit geliefert, um Nokia für sich zu Gewinnen. Elop sagte jetzt, der Beitrag von Microsoft habe einen Wert im Bereich von Milliarden. Dabei fließe auch Geld. Eine konkrete Summe nannte er nicht. Ein Kauf von Nokia durch Microsoft habe nie zur Diskussion gestanden, sagte Elop.

Nokia hatte am Freitag angekündigt, bei Smartphones künftig hauptsächlich auf Microsofts Plattform Windows Phone zu setzen. Elop, der im Herbst von Microsoft zu Nokia stieß, betonte, er sei kein «Trojanisches Pferd» des Windows-Riesen. In die Entscheidung für Microsoft sei das ganze Management-Team eingebunden gewesen.