Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Fast hätten sie die Zuschauer zu Abfahrts-Gold geschrien, doch auch mit der zweiten WM-Bronzemedaille war eine stark kämpfende Maria Riesch der «glücklichste Mensch der Welt».

Als die Slowenin Tina Maze auf Rang fünf das Ziel erreichte, war das lange Zittern für die ausgelaugte Doppel-Olympiasiegerin beendet und es gab ein Küsschen für die zweitplatzierte Lindsey Vonn (USA). «Ich habe nicht mit einer Medaille in der Abfahrt gerechnet. Ich habe alles versucht, das macht mich überglücklich», freute sich Riesch. Einzig die Österreicherin Elisabeth Görgl war als «Speed-Queen» von Garmisch-Partenkirchen wie bei ihrem Super-G-Erfolg unerreichbar.

Erneut stellte Riesch wenige Tage nach dem Ausbruch einer Virusgrippe ihre Comeback-Qualitäten unter Beweis. «Einfach Augen zu und durch, immer kämpfen», sei ihr Motto gewesen, berichtete sie und wurde in ihrer Freude nur von Hustenanfällen unterbrochen. «Ich bin schon oft nach Rückschlägen wieder aufgestanden. Dass es mir heute gelingt, da habe ich selber dran gezweifelt.» Im Kirchenzelt hatte sie «um göttlichen Beistand für schnelle Genesung» gebeten.

Auch Dauerrivalin und Freundin Vonn grübelte wegen der Nachwehen einer Gehirnerschütterung vor ihrer Spezialdisziplin lange - und war umso erleichterter. «Für mich ist dieses Silber ein Gefühl wie Gold. Ich habe gekämpft, dass ich heute fahren kann», sagte sie und ließ offen, ob sie auch die zweite Woche der WM bestreitet. Nach Riesch erklomm sie das Podium im Zielbereich. «Das ist ein gutes Gefühl. Ich bin stolz auf sie.»

Von Alpin-Direktor Wolfgang Maier gab es ebenfalls «äußersten Respekt» für Rieschs zweite Medaille nach dem dritten Platz im Super-G zum WM-Auftakt: «Es war eine Hammervorstellung von ihr, die alle Anerkennung verdient.»

Ungeachtet der Probleme der beiden Top-Alpinen kurvte allerdings die Österreicherin Görgl zu den Klängen ihres eigenen WM-Songs «You're the Hero» wie bei ihrem Super-G-Coup unwiderstehlich mit einem «Wahnsinns-Super-Lauf» (Vonn) ins Ziel der Kandahar-Strecke. «Einfach ein Wahnsinn», jubelte auch die 29-Jährige, die im dritten Rennen das dritte Gold für die österreichischen Damen holte. Erstmals seit 15 Schussfahrten im Weltcup oder Olympia hieß die Siegerin nicht Vonn (10) oder Riesch (5).

Vor dem Start sei sie «extrem angespannt» gewesen, erzählte Görgl. Für die Siegesfeier hat sie allerdings bereits eine gewisse Routine entwickelt und schminkte sich bereits an der Strecke. «Ich hab' noch viel zu feiern», begründete sie den Make-up-Einsatz. «Es war wichtig, dass ich mich voll auf mich konzentriere, fahre was geht und nicht an eine Medaille denke.»