Kairo/Algier/Tunis (dpa) - Baldige Neuwahlen in Ägypten - und das alte Parlament von Mubaraks Gnaden wird aufgelöst: Zwei Tage nach dem Machtwechsel hat der Oberste Militärrat die Weichen für die Zukunft gestellt. Binnen sechs Monaten soll die neue Volksvertretung gewählt werden.

Zudem setzten die Militärs die von Regimegegnern kritisierte Verfassung außer Kraft. Die neue Führung dementierte Berichte, wonach der gestürzte Staatschef Husni Mubarak Zuflucht in den Richtung Vereinigten Arabischen Emiraten gefunden habe.

Zur Änderung des «Grundgesetzes» werde ein Rat gebildet, kündigten die Militärs am Sonntag in Kairo an. Damit erfüllten die Generäle wichtige Forderungen der Opposition.

Viele Demonstranten verließen den Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt, der das Epizentrum ihrer 18-tägigen Massenproteste war. Etwa 2000 Demonstranten harrten weiter aus und verlangten den Rücktritt der noch von Mubarak eingesetzten Regierung von Ministerpräsident Ahmed Schafik. Schafik hatte am Sonntag in Kairo bestätigt, dass sich Mubarak weiter im Sinai-Badeort Scharm el Scheich aufhält.

In Algerien machten Sicherheitskräfte die Hoffnung von Regimegegnern auf Massenproteste wie in Ägypten fürs erste zunichte. In der Hauptstadt Algier verhinderte ein riesiges Polizeiaufgebot am Samstag einen Protestmarsch der Opposition. Am Startpunkt der nicht genehmigten Kundgebung gingen Uniformierte mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vor. Zahlreiche Teilnehmer, darunter auch Oppositionspolitiker, wurden vorübergehend festgenommen. Auch am Sonntag gab es Proteste.

Die ägyptische Militärführung sprach die ebenfalls von der Opposition geforderte Aufhebung des seit fast 30 Jahren geltenden Ausnahmezustands nicht an. Nach dem Rücktritt Mubaraks am vergangenen Freitag hatte das Militär die Macht übernommen. Am Sonntag wurden Bilder Mubaraks in Behördengebäuden abgehängt.

Schafik erklärte die Sicherheit im Land zur wichtigsten Aufgabe. Seine Regierung wolle Normalität herstellen - «von der Tasse Tee bis zur medizinischen Behandlung», sagte der Ministerpräsident bei einer Pressekonferenz in Kairo.