Teheran/Madrid/Berlin (dpa) - Mit ungewöhnlich scharfer Kritik hat US-Präsident Barack Obama das harte Vorgehen iranischer Sicherheitskräfte gegen Oppositionelle verurteilt.

«Sie schießen auf Menschen, verprügeln Menschen und sperren Menschen ein», sagte er am Dienstag zu den jüngsten Polizeiaktionen gegen Proteste in Teheran. Bei den Zusammenstößen am Vortag gab es mindestens zwei Tote. In der iranischen Hauptstadt forderten Parlamentsabgeordnete am Dienstag gar die Todesstrafe für führende Oppositionelle. Spanien ist verärgert über die Festnahme eines spanischen Diplomaten in Teheran.

Obama ermutigte die Demonstranten im Iran und in anderen Staaten der Region, dem Beispiel Ägyptens zu folgen. «Was in Ägypten wahr war, sollte auch im Iran wahr sein», sagte Obama in Washington. Die Menschen sollten ihre Meinung und ihr Leid ausdrücken sowie von ihrer Regierung Antworten verlangen können. Er warf dem Iran Heuchelei vor. Das Regime tue so, als feiere es die Ereignisse in Kairo, schieße aber gleichzeitig auf Oppositionelle im eigenen Land.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad stufte die Bemühungen der Oppositionskräfte als «aussichtslos» ein. «Die iranische Regierung wird öfter angefeindet, aber die Initiatoren derartiger Zwischenfälle sollten wissen, dass sie am Status Quo nicht rütteln können», sagte Ahmadinedschad am Dienstag im Fernsehen. «Es ist, als würde man Staub in Richtung Sonne werfen - der Staub fällt einfach in ihre Augen zurück.»

Nach den jüngsten Demonstrationen forderten Parlamentsabgeordnete die Todesstrafe für führende Oppositionelle. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna riefen die Abgeordneten: «Tod für Mussawi, Karrubi und Chatami.» Der frühere Präsident Mohammed Chatami ist ein anderer Oppositionsführer. Parlamentspräsident Ali Laridschani kündigte an, ein Ausschuss werde den «Verlauf der Krawalle» aufklären.

Die Opposition hatte zu Solidaritätskundgebungen mit den Aufständischen in Ägypten und Tunesien aufgerufen. Sie wollte damit zeigen, dass die iranische Führung zwar die Opposition in den arabischen Ländern unterstützt, aber Demonstrationen im eigenen Land nicht duldet. Die Polizei hatte die Kundgebungen in Teheran und fünf anderen Städten schließlich mit Tränengas und Knüppeln unterbunden.

Die spanische Regierung reagierte mit großer Verärgerung auf die vorübergehende Festnahme eines ihrer Diplomaten am Rande der Demonstration. Außenministerin Trinidad Jiménez drohte in Madrid, den spanischen Botschafter im Iran zu Konsultationen abzuberufen, sollte die Regierung von Präsident Ahmadinedschad den Vorfall nicht innerhalb von 48 Stunden aufklären oder sich entschuldigen.