Rom/Mailand (dpa) - Stolpert Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi , weil er seine Macht missbrauchte, um eine 17-jährige Prostituierte vor dem Gefängnis zu schützen? Wegen einer Sexaffäre wird ihm nun der Prozess gemacht. Drei Richterinnen entscheiden über das Schicksal des 74-Jährigen.

Berlusconi wird in einem Schnellverfahren vor Gericht gestellt. Das entschied Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo am Dienstag in Mailand auf Antrag der Staatsanwälte. Die Anklagepunkte lauten auf Amtsmissbrauch und Sex mit minderjährigen Prostituierten. Der Prozess soll am 6. April in Mailand beginnen und dürfte weltweites Aufsehen erregen. Die Opposition fordert seinen Rücktritt.

Berlusconi, der seit 17 Jahren die Politik seines Heimatlandes beherrscht, hat wiederholt seine Unschuld beteuert. Drei Richterinnen sind ausgewählt, über sein Schicksal zu entscheiden. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Schon am Wochenende hatten Hunderttausende Frauen auf Demonstrationen Berlusconis Abgang gefordert. Der 74-jährigen Medienmogul beriet sich am Nachmittag mit seinem Anwalt Niccolo Ghedini über die Verteidigungsstrategie.

Amtsmissbrauch wird ihm vorgeworfen, weil er im Mai des vergangenen Jahres die damals 17-jährige Marokkanerin «Ruby» alias Karima El-Marough persönlich vor dem Gefängnis bewahrt haben soll. Berlusconi hatte dies selbst eingeräumt, den Vorwurf des Amtsmissbrauchs jedoch zurückgewiesen. Vielmehr habe er so handeln müssen, um einen «diplomatischen Zwischenfall» zu vermeiden in der Annahme, bei Ruby handele es sich um die Nichte des damaligen ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak. Seine Anwälte wollen Beweise dafür haben, dass Berlusconi dies glauben musste.

Der Vorwurf, Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben, stützt sich vor allem auf abgehörte Telefongespräche. Auch hier geht es um die Marokkanerin, die «Ruby Rubacuori» (Ruby Herzensdieb) genannt wird. Sie soll zusammen mit anderen Prostituierten bei wüsten Partys in Berlusconis Villa San Martino in Arcore bei Mailand mitgemacht haben. Sie selbst soll in den Telefonmitschnitten gesagt haben, sie sei schon im Alter von 16 Gast des Regierungschefs gewesen. Öffentlich hatten Berlusconi wie auch das Mädchen stets abgestritten, Sex miteinander gehabt zu haben.

Für die beiden Anklagepunkte gebe es ausreichend Beweise, begründete die Ermittlungsrichterin ihre Zustimmung zu dem beantragten Schnellverfahren gegen Berlusconi. Die Geschädigten in dem Verfahren seien in punkto Amtsmissbrauch das italienische Innenministerium und im Hinblick auf den Vorwurf des Umgangs mit minderjährigen Prostituierten die junge Marokkanerin. Amtsmissbrauch wird mit bis zu zwölf Jahren Gefängnis bestraft, Sex mit minderjährigen Prostituierten mit höchstens drei Jahren Haft.

Die inzwischen 18-jährige Marokkanerin äußerte sich nur lakonisch zur Anklageerhebung: «Tut mir leid, ich will nur meine Ruhe haben», sagte sie italienischen Medienberichten zufolge. Sie hatte zuvor erklärt, bei einem Prozess sowieso nur als Zeugin gehört zu werden.