Leverkusen (dpa) - Die Leidensgeschichte von Fußballprofi Michael Ballack wird immer länger, doch Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler stärkte dem Nationalspieler den Rücken. Der 34-jährige Ballack reist nicht mit zum Europa-League-Hinspiel von Bayer Leverkusen bei Metalist Charkow.

«Es macht keinen Sinn, auch angesichts der zu erwartenden Bedingungen in der Ukraine», erklärte Dirk Mesch, Sprecher des Bundesliga-Tabellenzweiten. Statt am letzten Training vor dem Abflug in die Ukraine teilzunehmen, musste Ballack seine am Sonntag aufgetretene Reizung im linken Knie behandeln lassen. Die Werkself tritt am Donnerstag (17.00 Uhr MEZ) zur ersten Zwischenrundenpartie an, der Mittelfeldstar wird in Leverkusen ein individuelles Reha-Training absolvieren.

Offen ist, ob er bis zum Sonntags-Spiel gegen den VfB Stuttgart wieder einsatzbereit ist. Die Entscheidung über die Absage traf Trainer Jupp Heynckes nach einem Gespräch mit Ballack. Zum Kader für das Charkow-Spiel gehört dagegen Arturo Vidal, der an einer Knöchelprellung laborierte.

In der seit Wochen andauernden Diskussion um die Verletzungen und die Zukunft von Ballack in der Nationalmannschaft wie im Werksclub nahm Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler den prominenten Rückkehrer nun in Schutz «Er kann doch nichts dafür, dass er zweimal schlimm verletzt wurde», sagte der frühere DFB-Teamchef der «Bild»-Zeitung. «Dass sich bei der Nationalelf, bei der Kapitänsfrage und bei uns alles um ihn dreht, ist nicht seine Schuld.» Damit müsse Ballack vernünftig, gelassen umgehen und warten, «bis die sportlichen Grundvoraussetzungen hergestellt sind».

Die Ballack-Debatte empfindet Völler nicht als Belastung für das Klima im Werksclub. «Warum sollte sie? Wir sind Zweiter, haben eine gute Mannschaft, spielen noch in der Euro-League», sagte er. Die Spieler in Leverkusen wüssten mit dem Thema Ballack umzugehen. Außerdem ist sich Völler sicher, dass die zehn Millionen Euro teure Investition sich noch auszahlen wird. «Ich bin überzeugt, dass es mit Balle funktioniert. Für unsere großen Ziele brauchen wir gerade einen guten, fitten Michael Ballack.»

Auch Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser glaubt, dass Ballack noch starke Leistungen abliefern wird. «Er wird noch tolle Momente bei Bayer erleben», sagte er. «Ich finde die Diskussion unfair, weil er nichts dafür kann.» Ein Krisengespräch zwischen Heynckes, Völler und Ballack hält er für unnötig: «Trainer und Rudi Völler sind jeden Tag in der Kabine und reden ständig mit den Spielern.»

Wegen einer schweren Sprunggelenkverletzung hatte Ballack als Nationalmannschaftskapitän auf die WM 2010 in Südafrika verzichten müssen. Eine Fraktur am Schienbeinköpfchen, die er sich im September 2010 zugezogen hatte, zwang ihn zu einer weiteren Pause. Erst zum Rückrundenstart stand er den Leverkusenern wieder zur Verfügung.