Berlin (dpa) - Die Banken verlangen nach Ansicht von Verbraucherschützern noch immer unverschämt hohe Dispozinsen - bis zu 15 Prozent zahlen Kunden für das Überziehen ihres Girokontos.

Das ergab eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Die Verbraucherzentralen warfen den Geldinstituten Abzocke vor und mahnten zehn Banken ab. Die Geldinstitute weisen die Kritik zurück. Die Kunden zahlten im Durchschnitt mehr als 11 Prozent Dispozinsen, berichtete die Zeitschrift «Finanztest» am Dienstag. Dies sei das gleiche Niveau wie vor einem Jahr. Seit Sommer 2010 hätten zwar 26 von 104 untersuchten Kreditinstituten ihre Dispozinsen gesenkt, die meisten davon allerdings weniger als einen Prozentpunkt. 13 andere Banken hätten die Überziehungszinsen in diesem Zeitraum angehoben.

Das Bundesverbraucherministerium sieht die Kunden zu oft im Nachteil durch überhöhte Zinsen. «Spitzenzinssätze von 15 Prozent oder darüber sind angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase eindeutig zu hoch», sagte ein Ministeriumssprecher. «Für die Verbraucher muss von vornherein klar sein, wann und in welchem Umfang Zinssätze geändert werden.» Das Verhalten der Banken werde unter die Lupe genommen. Die Untersuchung soll bis Ende des Jahres vorliegen.

Die Zinspolitik der Banken sei willkürlich, kritisierte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Die meisten Klauseln zur Festlegung neuer Zinssätze vor Ablauf eines Vertrags, die sogenannte Zinsanpassung, seien für Verbraucher unverständlich und verstießen zum Teil gegen rechtliche Vorgaben.

Die Banken halten die Kritik für unberechtigt. Die Kunden hätten in der Regel die Möglichkeit, unter vielen Angeboten zu wählen, teilte der Zentrale Kreditausschuss mit, ein Zusammenschluss der Spitzenverbände der Banken, Sparkassen und Volksbanken. «Überziehungskredite sind allerdings nur als Überbrückung für kurze Zeit gedacht. Wer eine längerfristige Finanzierung benötigt, sollte dafür andere Konsumentenkredite nutzen.» Dafür gebe es teils deutlich günstigere Konditionen.

Seit Juni 2010 müssen die Banken den Dispozins an einen Referenzwert koppeln, wenn sie Zinsen ändern wollen, ohne ihre Kunden zu benachrichtigen. Dieser Referenzwert ist häufig der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) oder der Durchschnittszinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld für drei Monate ausleihen (Drei-Monats-Euribor). Während der Euribor zuletzt stieg, liegt der Leitzins der EZB seit Mai 2009 beim historischen Tiefstand von 1,0 Prozent.

«Finanztest»-Untersuchung, kostenpflichtig