Berlin (dpa) - Der iranische Regisseur Asghar Farhadi hat am Dienstag mit seinem Wettbewerbsbeitrag «Nader und Simin, eine Trennung» einen starken Eindruck beim Berlinale-Publikum hinterlassen.

Bereits in der Pressevorstellung am Vormittag gab es begeisterten Applaus für das Drama, das um die Fragen von Schuld und Vertrauen kreist.

Anschließend musste Farhadi nicht nur Fragen zu seinem Film, sondern auch zu seinem abwesenden Kollegen Jafar Panahi beantworten. Der regimekritische Panahi ist eigentlich Mitglied der diesjährigen Festivaljury, wurde in Teheran jedoch zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Arbeitsverbot verurteilt. Zu der Situation seines Freundes und Kollegen äußerte sich Farhadi vorsichtig.

Er habe sich sehr über die Einladung der Berlinale für Panahi gefreut, sagte Farhadi im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa und anderen Medien. «Andererseits bin ich sehr traurig darüber, dass er jetzt nicht da sein kann», so der Regisseur. «Weltweit sind Gefängnisse ein Instrument, die Freiheit von Menschen zu rauben», sagte Farhadi.

«Nader und Simin, eine Trennung» erzählt von einem Ehepaar, das durch den Ausreisewunsch der Frau vor eine Zerreißprobe gestellt wird. Simin (Leila Hatami) will den Iran zusammen mit der gemeinsamen Tochter verlassen. Doch ihr Mann Nader (Peyman Moadi) möchte seinen an Alzheimer erkrankten, pflegebedürftigen Vater nicht alleine zurücklassen.

Simin reicht die Scheidung ein und zieht zunächst zu ihren Eltern in der selben Stadt. Nader engagiert eine Pflegerin für seinen Vater, um weiter arbeiten gehen zu können. Doch diese vernachlässigt den alten Mann, und als Nader das erfährt, kommt es zum Eklat.

Fast wie in einem Krimi erzählt Farhadi nun, wie Nader sich plötzlich des Mordes angeklagt vor Gericht wiederfindet. Seine eigene Familie vertraut ihm nicht mehr. Diese Geschichte könnte überall auf der Welt spielen. Farhadi hatte 2009 mit dem Gesellschaftsdrama «Alles über Elly» bereits einen Silbernen Bären für die beste Regie gewonnen. In seinen Filmen geht es immer wieder um die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit - das sind für Farhadi zentrale Themen.