Berlin/München (dpa) - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) denkt trotz der Plagiatsvorwürfe nach eigenen Worten nicht an einen Rücktritt. Dem Nachrichtenmagazin «Focus» sagte Guttenberg auf die Frage, ob er seit Dienstag einmal an Rücktritt gedacht habe: «Unsinn!»

Was der Vorgang für seine Glaubwürdigkeit und Autorität bedeute, obliege ihm nicht. «Aber beidem gerecht zu werden bleibt mein Anspruch.»

Die Fragen nach einem Rücktritt und seinen persönlichen Grundsätzen hatte der Minister laut «Focus» am Freitag nach seiner öffentlichen Erklärung zu der Plagiatsaffäre beantwortet. Das gesamte Interview wurde bereits vor Guttenbergs Reise nach Afghanistan geführt, zu der er am vergangenen Mittwoch aufgebrochen war.

Unterdessen verdächtigt die SPD zu Guttenberg, für seine Dissertation den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages missbraucht zu haben. «Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern in der Bundestagsverwaltung geschrieben wurden», erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, am Samstag in Berlin.

Der «Spiegel» berichtet, Guttenberg habe eine zehnseitige Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes, die er 2004 in seiner Funktion als CSU-Abgeordneter selbst in Auftrag gegeben hatte, beinahe unverändert in seine Doktorarbeit übernommen.

Oppermann forderte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) auf, den Vorgang schnell zu untersuchen. «Die Öffentlichkeit hat Anspruch darauf zu erfahren, ob der Wissenschaftliche Dienst zu Privatzwecken eingesetzt wurde und Guttenberg seine Promotion auf Kosten der Steuerzahler geschrieben hat», erklärte der SPD-Politiker. «Mit der Nutzung des Wissenschaftlichen Dienstes für die Doktorarbeit hätte Guttenberg sein Abgeordnetenmandat missbraucht.»

Der Verteidigungsminister selbst hatte noch am Mittwoch betont: «Sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meines Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu.»