Berlin/Teheran (dpa) - Nach mehr als viermonatiger Haft sind die beiden im Iran inhaftierten deutschen Journalisten auf freiem Fuß.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) flog noch am Samstagabend nach Teheran, um die beiden «Bild am Sonntag»-Reporter mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu holen. Auf seinem Programm in Teheran standen aber auch Gespräche mit der iranischen Führung, unter anderem mit Außenminister Ali Akbar Salehi.

Die beiden Journalisten waren am Samstag nach mehr als viermonatiger Haft in der Provinzhauptstadt Täbris freigelassen worden. Aus Täbris wurden sie von deutschen Konsularbeamten in die deutsche Botschaft nach Teheran gebracht. Nach offiziellen Angaben mussten sie jeweils 37 500 Euro Geldbuße zahlen.

Westerwelle ist seit siebeneinhalb Jahren der erste deutsche Außenminister, der den Iran besucht. Zuletzt war dort im Oktober 2003 der damalige Ressortchef Joschka Fischer (Grüne) zu Gast. Der Iran steht wegen seines Atomprogramms und Menschenrechtsverstößen international heftig in der Kritik. Die Festnahme der Journalisten war eine Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Deutschland und dem Iran.

Die beiden Reporter der «Bild am Sonntag», Marcus Hellwig und Jens Koch, waren am 10. Oktober 2010 in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Die Frau war wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden. Den Deutschen wurde ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen. Der Fall Mohammadi-Aschtiani ist zudem ein Tabuthema für die ausländische Presse in Teheran.

Die iranische Agentur ISNA hatte am Samstag gemeldet, die Justiz habe «islamische Güte» gezeigt und die beiden gegen ein Bußgeld freigesprochen. Sie seien zur Zahlung von rund 35 700 Euro (500 Millionen Rial) statt zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Kurz vor der Freilassung war ein Gnadengesuch der Angehörigen an die Regierung in Teheran bekanntgeworden. Die Schwestern der Reporter sagten dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» mit Blick auf den Beginn des iranischen Neujahrsfestes Nowrus am 21. März: «Im Vorfeld dieses Feiertags wurden in den vergangenen Jahren viele Häftlinge begnadigt. Wir bitten die Führung in Teheran daher um Gnade auch für Marcus und Jens.»